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Leverkusen: Jugendarbeit in Wiesdorf ist ein Problem

Leverkusen : Jugendarbeit in Wiesdorf ist ein Problem

Die Arbeit an der Konzeption der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Leverkusen deckt eine Reihe von Ärgernissen auf

Die Passagen finden sich weit hinten im Text - aber sie haben es in sich. Wer die Aussagen auf Seite 49 des neuen Konzeptionspapiers zur Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Leverkusen gefunden hat, das jetzt im Stadtrat beschlossen worden ist, dem wird schnell klar, dass er es mit brisanten Feststellungen zu tun hat.

"Im Umfeld des Jugendhauses Lindenhof hält sich eine Gruppe von 13 - 14jährigen Jugendlichen auf, die sich destruktiv (Drogenkonsum, Belästigungen etc.) verhält und nur sehr schwer in die offene Arbeit einzubinden ist", heißt es da. Und weiter: "In Wiesdorf verschärft sich zunehmend die Problematik mit der Großfamilie von der auch die Jugendeinrichtungen betroffen sind. Aus Gesprächen wird deutlich, dass dieses Thema zum Alltag vieler Kinder und Jugendlicher gehört. Nahezu jeder Besucher hat schlechte Erfahrungen mit Mitgliedern der Großfamilie gemacht. Es besteht dringender Handlungsbedarf in mehrerer Hinsicht."

Das sind Ergebnisse einer Analyse, die die Stadt gemeinsam mit allen interessierten Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in den vergangenen Monaten erstellt hat. In mehreren ganztägigen Workshop-Veranstaltungen wurden die Bedingungen des Aufwachsens junger Menschen in den einzelnen Sozialräumen und Stadtquartieren ermittelt und analysiert.

Dabei stand die Fragestellung im Vordergrund: Tun wir das Richtige an den richtigen Stellen mit den richtigen Methoden im notwendigen Umfang? Zumindest, was Teile des Berichts angeht, müsste in Wiesdorf wohl deutlich mehr getan werden:

Die Stadtteile Wiesdorf-West, Wiesdorf-Ost und Manfort weisen den größten Anteil an Personen mit ausländischer Herkunft oder Doppelstaatsangehörigkeit auf. Das betrifft knapp 41 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Wiesdorf-West, knapp 34 Prozent in Wiesdorf-Ost. "Hier besteht dringender Handlungsbedarf, um diesen Kindern und Jugendlichen die erforderliche Teilhabe zu ermöglichen und vor allem integrative Angebote in den Institutionen zu etablieren", führt der Bericht aus.

Zudem werden auch ausgeprägte Sprachprobleme von den Fachkräften in den Einrichtungen wahrgenommen: "Der Spagat zwischen den Kulturen wird hier als erhebli-che Belastung angesehen", heißt es. Der niedrige Bildungsstatus sowie häufig instabile Familienkonstellationen beeinträchtigten in erheblichem Maße eine gelingende Sozialisation.

Die Fachkräfte in den Einrichtungen weisen in ihrer Bedarfsanalyse ausdrücklich darauf hin, dass trotz gut funktionierender Infrastruktur kaum Spielflächen zur Verfügung stehen sowie zu wenig Sportplätze, die von Kindern und Jugendlichen kostenlos benutzt werden können.

Und schließlich wird in dem Bericht auf den beengten Wohnraum im Stadtteil und auf die Hochhäuser mit besonders vielen Problemlagen hingewiesen. Die Jugendarbeit in Wiesdorf ist stark unter Druck - und sie braucht offenbar dringend Hilfe.

(RP)