Jürgen Ohrem wurde mit dem Leverkusener Löwen geehrt

Ehrung : Jürgen Ohrem mit Löwe ausgezeichnet

Die Leverkusener Ehrung geht an den Leiter der Musikschule für sein Engagement zur Versöhnung mit Israel.

Der „Leverkusener Löwe“ ging in diesem Jahr an Jürgen Ohrem, den Leiter der Leverkusener Musikschule. Seit 2006 wird die Bronze-Skulptur des Künstlers Kurt Arentz alljährlich an Personen verliehen, die sich in besonderer Weise um das Ansehen der Stadt verdient gemacht haben. Zuletzt hatte sich das Kuratorium des Vereins „Wir für Leverkusen – ein starkes Stück Rheinland“ unter Leitung von Uwe Beenen einstimmig für Jürgen Ohrem als 14. Preisträger ausgesprochen.

Dieser verfolgte die Zeremonie im Spiegelsaal von Schloss Morsbroich und hörte die Lobeshymnen von Oberbürgermeister Uwe Richrath über seine Arbeit noch recht entspannt. Den exzellenten Ruf, den die Musikschule genoss, so Richrath, habe Ohrem genutzt, um seine Vorstellung von Musikschule umzusetzen. International habe er sich einen besonderen Namen wegen seiner Liebe für jüdische Volksmusiktradition erworben.

Speziell das Klezmer-Ensemble habe dazu beizutragen, eine Versöhnung der Holocaust-Opfer mit den Nachfahren der Täter zu ermöglichen. Bei der 20-minütigen Videobotschaft, die einige von Ohrems Musikschüler und Freunde aus Israel übermittelten, hatte er Tränen in den Augen. Deutlich war ihm anzumerken, welche Bedeutung diese Verbindungen in seinem Leben haben.

Jeanne Rabin, Solistin und Musikwissenschafterin der Tel Aviv Universität, gratulierte beispielsweise mit einem eigens auf Ohrem gemünzten Volkslied. Der israelische Dirigent und Musikdirektor Avi Faintoch sowie sein enger Freund und Begleiter Uri Shaham verdeutlichten die große Bandbreite seines Wirkens.

Ohrem bedankte sich gerührt, denn als Leiter einer „Nice to have“-Institution habe er nicht mit einem solchen Ehrenpreis gerechnet. Im übrigen beanspruche er die Auszeichnung nicht für sich alleine, sondern teile sie mit der gesamten Musikschule einschließlich aller Lehrkräfte. Sofort danach sprach er Klartext und erntete Applaus für seine Worte: „Selbst nach 32 Dienstjahren halte ich den Zustand für unerträglich, dass Musikschulen hierzulande unter die Rubrik ‚Freiwillige Leistungen‘ fallen.“

Das gelte zwar nicht nur für die Musikschule, sondern für die ganze Kultur. Aber für die Musik sei es besonders elementar, weil es um kulturelle Bildung und um die Zukunft unserer Kinder gehe. Es sei geradezu beschämend, dass das Land NRW gemeinsam mit dem Land Berlin seit Jahrzehnten das Schlusslicht in der Musikschul-Finanzierung bilde. In Bayern und Baden-Württemberg würden 20 bis 25 Prozent der Gesamtkosten vom Land getragen. Hierzulande seien es noch nicht mal zwei Prozent.

Noch dazu sei es sozial ungerecht, dass sich 44 der Lehrkräfte – und somit weitaus mehr als die Hälfte – mit Honorarverträgen zufriedengeben müssten, obwohl sie den gleichen Dienst verrichteten wie die fest angestellten Lehrkräfte.

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