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Leverkusen: Jobcenter verschärft die Überwachung

Leverkusen : Jobcenter verschärft die Überwachung

"Unsere Kunden stehen oft unter einem enormen Druck, haben Existenzängste. Solch eine schreckliche Tat kann man nie ausschließen, hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht", sagte gestern Nachmittag Renate Helff, Geschäftsführerin des Jobcenter Arbeit und Grundsicherung Leverkusen (AGL).

170 Mitarbeiter betreuen die Bezieher von Hartz IV in Leverkusen und versuchen, sie in Arbeit zu vermitteln. Aber sie müssen auch Sanktionen aussprechen.

Kein leichter Job. Erst Recht nicht nach dem tödlichen Drama, das sich gestern Morgen in Neuss abspielte. Ein 52-Jähriger hatte eine Mitarbeiterin (32) des dortigen Jobcenters mit mehreren Stichen so schwer verletzt, dass sie trotz Not-OP starb. Inzwischen steht fest: Der Täter war ein Kunde des Jobcenters, das Opfer seine Sachbearbeiterin.

Alarm-Taste an jedem PC

Ein solcher Angriff ist in Leverkusen noch nie vorgekommen. Aber: "Wir hatten schon drei Vorfälle, die man als tätlichen Angriff bezeichnen kann", berichtet Helff. "Einmal hat ein Kunde mit einem Gegenstand nach einem Mitarbeiter geworfen, ein anderes Mal wurde einer unserer Beschäftigten in seiner Mittagspause in der City von einem Kunden geschlagen. Er war gar nicht zuständig für den Mann, der Angriff kam ganz unvermittelt von hinten. Ein anderer Beschäftigter kassierte in unseren Räumen einen Schlag auf die Nase."

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Damit selbst solche Vorfälle gar nicht erst passieren, gebe es Präventions-Maßnahmen, sagt Helff. "Das fängt damit an, dass jeder Kunde mit Anstand und Respekt behandelt wird, unsere Mitarbeiter machen Deeskalations-Schulungen und Anti-Gewalt-Trainings. Bei akuten Bedrohungen müssen sie sofort die 110 wählen, jeder hat an seinem Computer eine Taste, die einen internen Notruf auslöst. Der Alarm erscheint dann auf jedem Rechner, alle Kollegen sind angehalten, sofort in das entsprechende Büro zu laufen.

Durchschnittlich dreimal im Jahr komme ein solcher Alarm vor. Jeder der AGL-Mitarbeiter hat außerdem eine Fluchttür hinter seinem Schreibtisch, die in das danebenliegende Zimmer führt. "Die haben wir extra einbauen lassen", sagt Renate Helff. "Sie gibt ein zusätzliches Sicherheitsgefühl." Überwachungskamera gibt es nicht, sind seit gestern aber Thema. "Wir hatten im Vorfeld bereits eine Versammlung einberufen , die sich um mögliche weitere Sicherheitsmaßnahmen dreht", berichtet Helff.

Das Ergebnis: "Wir prüfen, ob es möglich ist, in der Heinrich-von-Stephan-Straße Türen einzubauen, die das Treppenhaus von den Bürofluren trennt. Und wir prüfen auch, ob eine Videoüberwachung sinnvoll ist. Die Kollegen haben gestern viel über die Tat in Neuss gesprochen, das ist auch eine Form der Bewältigung."

(RP/rl)