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Jens "Dä Schofför" Singer seziert bei den Altstadtfunken die Politik

Frühschoppen der Altstadtfunken : „Dä Schofför“ seziert die Politik

Beim Frühschoppen der Altstadtfunken saß jetzt jede scharfe Pointe.

Auf Regierungsdirektor Jens Singer (51, Mitarbeiter der Bundestagsverwaltung) wartet eine Herausforderung: Der gebürtige Schlebuscher soll bald als politischer Büttenredner in Cottbus die Jecken begeistern. Zehn Minuten müssen dafür in der Stadthalle der 100.000 Einwohner großen Stadt reichen. „Ich freue mich auf das Experiment“, sagt der 51-Jährige. Am Sonntag unterhielt er aber erst einmal als „Dä Schofför der Kanzlerin“ rund 120 Gästen beim karnevalistischen Frühschoppen der KG Altstadtfunken Opladen, eine ungewohnt intime und gerade deshalb reizvolle Veranstaltung im Funkenturm.

Cottbus und rheinischer Karneval haben durchaus Gemeinsamkeiten. Ab 1901 siedelten sich Rheinländer in der Niederlausitz an und brachten neuen Schwung ins dortige Karnevalsgeschehen. Das war ein Jahr vor der Geburt der KG Altstadtfunken. Dass „Schofför“ Singer mit seinem humoristischen Streifzug durch die Bundespolitik beim Publikum ankommt, zeigte sich am Sonntag deutlich. Er erhielt viel Applaus. Die Funken-Besucher mussten vorher aufmerksam zuhören. Singer hat einen Blick für besondere Situationen des politischen Personals. Er zelebriert seine Beschreibungen gerne mit dem rhetorischen Florett, das er inzwischen  – im 10. Jahr seiner närrischen Rednerkarriere  – gekonnt einsetzt.

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Und er erwartet Allgemeinwissen. Etwa beim Thema CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer: „Erst Erich Honecker, dann Oskar Lafontaine und jetzt die Karrenbauer. Vielleicht sollte man Frankreich fragen, ob die das Saarland zurücknehmen?“

Droht dem Schofför das Publikum zu entgleiten, zieht er den Säbel: „Lieber der erste Fahrer der Kanzlerin sein als der letzte von Prinzessin Diana.“ Oder den: „Damit es keinen Knasch jitt, sollte man als Fahrer nicht intelligenter sein als der Minister. Klingt logisch, ist aber nicht immer möglich. Waröm? Als Chauffeur bruch man einen Schulabschluss und ne Ausbildung, für Minister reicht schon et Seepferdchen. Alle Politiker fordern ständig mehr Bildung. Jeder will das, was ihm am meisten fehlt.“ Mit den Pausen an der richtigen Stelle sind Lacher garantiert. Und Singer legt mit Aktuellem nach: „Früher fuhren abgebrochene Studenten Taxi. Wer heute sein Studium abbricht, wird Juso-Vorsitzender. Wer zwei Studiengänge abbricht sogar CDU-Generalsekretär.“

Viele Pointen holt sich Singer, dessen Vater Johannes Singer 1987 bis 1998 für Leverkusen im Bundestag gesessen hat, aus dem Alltag: „Beim Besuch im Bundestag kann man oben auf der Tribüne sitzen. Wenn man dann einschläft, kommt extra ein Saaldiener und weckt einen auf.“ Pause. „
Wer im Bundestag ungestört schlafen will, kann das auch, muss aber vorher kandidieren.“ Das Publikum lacht.

Gerade das Sammeln von solchem Material und das Zusammenstellen zur Büttenrede bereite ihm besonderen Spaß, sagt Singer. „Ich will natürlich, dass mein Vorträge in den Sälen auch ankommen. Ich baue mir ja nicht mühsam ein Modellboot, um es dann im Ophovener Weiher zu versenken.“ Singer nimmt jeden seiner Auftritte (47 in dieser Session) auf. Er kann so kontrollieren, was gut war und wo er feilen muss. Die Altstadtfunken boten noch zwei Büttenredner auf. Das war geradezu eine Demonstration der Unterschiede: Hier Singers politische (Humor-)rede, dort reiner Klamauk. Beides ist Karneval. Allerdings sterben Typenredner wie „Dä Schofför“ langsam aus.