Interview zum Welt-Asthmatag mit Experten aus Leverkusen

Interview zum Welt-Asthmatag : Gut leben trotz Asthma

Jeder 20. ist betroffen. Experten des Leverkusener Klinikums erklären Ursachen und geben Tipps.

(RP) Asthma bronchiale ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege, die in jedem Lebensalter auftreten kann. Sie ist eine der häufigsten chronischen Krankheiten überhaupt, mit deutlich steigender Tendenz. So ist inzwischen etwa jeder zehnte Jugendliche und jeder 20. Erwachsene von dieser Erkrankung betroffen. Zum Welt-Asthmatag am 7. Mai sprechen wir mit zwei Experten aus dem Klinikum Leverkusen, Stefan Reuter und Philipp Roehr (siehe Info).

 Warum nimmt die Häufigkeit des Asthmas zu?

Reuter Offenbar spielen auslösende Stoffe (Allergene) im häuslichen und beruflichen Umfeld eine immer größere Rolle. Unsere Lebens- und Ernährungsgewohnheiten, aber auch Umwelteinflüsse fördern die Zunahme von Allergien, genetische Faktoren spielen eine kleinere Rolle. Wir unterscheiden allergische von nicht-allergischen Ursachen. Die allergische Ursache macht sich oftmals schon im Kindes- und Jugendalter bemerkbar. Anfallsartige Atembeschwerden treten dann immer bei Kontakt zu bestimmten Stimuli auf, etwa bei Hausstaub, zur Blüte von Gräsern, Birke, Hasel und vielen anderen Pflanzen. Weitaus häufiger tritt Asthma bei Erwachsenen jedoch ohne allergische Ursache auf. Auslöser ist oftmals eine Bronchitis oder Lungenentzündung; nach Abklingen der Infektion hören Husten und Luftnot bei Belastung jedoch nicht auf. Asthma kann beispielsweise auch entstehen nach starker körperlicher Anstrengung, durch sehr kalte Luft oder nach Einnahme bestimmter Schmerzmedikamente.

Stefan Reuter leitet die Medizinische Klinik 4. Foto: Klinikum Leverkusen

Warum wird am 7. Mai auf diese Erkrankung besonders aufmerksam gemacht?

Reuter Der Welt-Asthmatag wurde vor 20 Jahren ins Leben gerufen und findet seitdem jährlich am ersten Dienstag im Mai statt, um in besonderem Maß auf diese „Volkskrankheit“ aufmerksam zu machen. Die Diagnose „Asthma“ wird zunehmend häufiger gestellt. Wird die Erkrankung frühzeitig erkannt, kann sie effektiv und erfolgreich behandelt werden. Das Ziel der Behandlung besteht immer darin, dass Betroffene trotz ihrer Erkrankung keine Einschränkung im normalen Tagesablauf bemerken und bei der Arbeit und privat voll belastbar bleiben.

Wann sollte ich prüfen lassen, ob Asthma vorliegt?

Philipp Roehr ist Oberarzt und Facharzt für Pneumologie. Foto: Klinikum Leverkusen

Roehr Wenn zum Beispiel nach einem Atemwegsinfekt oder durch bestimmte Auslöser wie genannte Allergene, kalte Luft, starke Anstrengung oder Einnahme von Schmerzmittel wie ASS typische Symptome entstehen. Die häufigsten Symptome sind trockener Husten und sonst nicht bekannte Atemnot bei körperlicher Anstrengung, manchmal auch ein Engegefühl in der Brust. Charakteristisch sind auch Beschwerden über Nacht und in den frühen Morgenstunden, begleitet von zähem Schleim, der schwer abgehustet werden kann.

Wie kommt es zur Luftnot beim Asthma?

Reuter Beim Einatmen wird die Luft über Luftröhre und Bronchien bis in die kleinen Lungenbläschen transportiert. Normalerweise gelangt die Luft auf gleichem Weg problemlos auch wieder aus der Lunge heraus. Beim Asthma jedoch sind die Bronchien entzündet und hierdurch geschwollen, der Durchmesser ist dann stark verengt. Das führt dazu, dass die eingeatmete Luft schlechter abgeatmet werden kann, die Luft ist sozusagen in der Lunge gefangen. Hierdurch kommt es zur typischen Luftnot mit pfeifender Atmung, zu einer vermehrten Schleimproduktion und zu quälendem Husten.

Wie stellt der Arzt fest, dass Asthma vorliegt?

Roehr Bei der Diagnostik wird der Arzt alle auslösenden Ursachen in Betracht ziehen und hierfür eine ausführliche Krankengeschichte erheben. Zur Untersuchung gehören das Abhören der Lungen, die Durchführung einer Lungenfunktionsuntersuchung, ein Allergietest und eine Blutentnahme. Die Aktivität der Bronchienentzündung kann auch mit einem einfachen Atemtest kontrolliert werden. Die Diagnose wird gestellt, wenn bei Kontakt zu typischen Auslösern (wie Pollen, Gräser, Kälte, Anstrengung) anfallsartig Atemnot, Husten und Schleimbildung auftreten. Beim Asthma wechseln sich Phasen schwerer Atemnot mit Phasen kompletter Beschwerdefreiheit ab.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Roehr Grundsätzlich gilt, dass das Asthma so intensiv behandelt werden soll, dass man möglichst den ganzen Tag beschwerdefrei ist. Gut eingestellte Patienten führen dann ein ganz normales Leben. Basis der medikamentösen Behandlung sind Sprays zur Erweiterung der Bronchien und zur Hemmung der Entzündung. Sprays wirken nur, wenn sie korrekt angewendet werden. Der häufigste Grund für einen schlechten Therapieerfolg ist eine fehlerhafte Anwendung der Sprays. Daher muss die Anwendung geübt werden, etwa durch Schulung beim Arzt. Wenn ein allergisches Asthma frisch diagnostiziert wird, kann manchmal eine Desensibilisierung helfen wie bei Pollen oder Hausstaub.

Hilft das auch bei hartnäckigen Formen?

Roehr Sie müssen stärker behandelt werden, etwa mit Kortisontabletten. Um langfristige Nebenwirkungen zu vermeiden, sollten vor allem hartnäckige Formen von einem Facharzt für Lungenheilkunde begleitet werden. Neuerdings stehen für schwere Fälle auch Antikörper zur Verfügung, oftmals eine Rettung für Patienten, bei denen anderen Therapien nicht mehr wirken. Zusätzlich sind nichtmedikamentöse Behandlungen ebenso wichtig. Stichworte sind das Erlernen von Atem- und Entspannungstechniken, regelmäßige körperliche Aktivität (etwa in einer Lungensportgruppe) und wenn nötig eine Raucherentwöhnung.

Kann Asthma geheilt werden?

Roehr Erfreulicherweise verschwindet das Asthma des Kindes im Verlauf des Erwachsenwerdens in etwa der Hälfte der Fälle von allein und bedarf keiner weiteren Behandlung mehr. Auch beim Asthma im Erwachsenenalter kann die Therapie im Verlauf oftmals reduziert werden, wenn über längere Zeit eine gute Kontrolle der Beschwerden erreicht wurde.

Welche Möglichkeiten hat das Klinikum Leverkusen?

Reuter Die Diagnose und Behandlung von Asthma gehört in der Regel in die Hände der niedergelassenen Lungenfachärzte. In Zusammenarbeit mit dem MVZ Pneumologie am Klinikum Leverkusen können wir Betroffenen in allen Lagen Unterstützung anbieten. Glücklicherweise muss Asthma bronchiale nur in Ausnahmefällen im Krankenhaus behandelt werden. Dies ist etwa dann der Fall, wenn ein starker Asthma-Anfall auftritt. In diesen Fällen sind wir auf die Notfallbehandlung eines Asthmas gut vorbereitet.

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