1. NRW
  2. Städte
  3. Leverkusen

Interview mit dem Friseurobermeister Leverkusen

Inerview Thomas Stagnier : Mit dem Zollstock durch den Friseurladen

Friseure sollen am Montag, 4. Mai wieder öffnen. Dazu gibt es klare Auflagen auch für die Kunden. Der Obermeister der Innung, Thomas Stangier, erklärt wie es laufen soll. Und: Es wird teurer.

Wie laufen die Vorbereitungen bei Ihnen und bei Ihren Kollegen?

Stangier: Sehr gut. Wir sind bereits mit dem Zollstock durch den Betrieb gegangen, haben die Abstände kontrolliert, nehmen Markierungen auf dem Boden vor, räumen andere Sitzmöglichkeiten weg, besprechen uns in unseren Teams, auf was zu achten ist und wie wir vorgehen und beginnen allmählich mit der Terminvergabe unter Vorbehalt. Auf uns wartet eine völlig neue Situation, und wir Friseure haben großen Respekt.

Wie läuft dann ein Besuch bei Ihnen ab?

Stangier: Wir werden ausschließlich Kunden mit Terminen bedienen können. Bislang waren unsere Kunden gewohnt, dass sie auch mal schnell zwischendurch an die Reihe kamen – vor allem Männer- und Kinderhaarschnitte. Das fällt weg. Wir erkundigen uns nach Corona-Symptomen bzw. Kontakt zu Erkrankten. Das ist eine Vorgabe. Kaffee, Wasser, die Lieblingszeitschrift dürfen wir nicht mehr anbieten. Da fallen viele Gimmicks weg, die sonst für eine besondere Wohlfühl-Atmosphäre sorgen. Wir wissen ja bei unseren Stammkunden, wer wie viel Zucker im Kaffee hat oder lieber eine Börsenzeitschrift liest. Aber es werden sich mit der neuen Situation sicherlich auch neue Serviceleistungen herauskristallisieren. Um weitere Berührungen und Kontakte zu vermeiden, darf der Kunde seine Haare auch nicht selbst föhnen. Selbstverständlich haben wir im Salon Masken an, und unsere Kunden müssen ab Betreten des Geschäfts ebenfalls ihre Gesichtsmasken tragen. Vorgabe ist es auch, dass die Haare vor Ort gewaschen werden müssen.

Wie schneiden, färben und waschen Sie, wenn der Kunde eine selbstgenähte Maske anhat, die am Hinterkopf geknotet wird?

Stangier: Die kann man genauso hinter den Ohren herführen und unter dem Kinn knoten. In unserem Salon werden wir Einwegmasken für zwei Euro das Stück anbieten, falls der Kunde die Haare gefärbt bekommt und die eigene Maske nicht dreckig werden darf. Derzeit hoffen wir, dass die Lieferung rechtzeitig ankommt.

Bürsten, Kämme, Scheren dürfen ohne Reinigung nicht für mehrere Kunden genutzt werden. Brauchen Sie nun mehr Arbeitsmaterial?

Stangier: Nein. Bei uns hat sowieso jeder Friseur sein eigenes Equipment, das nicht getauscht wird. Nach einiger Zeit ist beispielsweise unsere Schere auf die jeweilige Hand eingestellt. Neu hinzu kommt, dass wir nun nach jedem Kunden den Stuhl, die Ablage und die Materialien feucht reinigen. Hier reicht aber ein fettlösender Haushaltsreiniger. Und dann heißt es für uns wieder Wände waschen oder desinfizieren.

Was wird sich noch ändern?

Stangier: Sicherlich die Preise. Wir hatten sechs Wochen ganz geschlossen, viele Mitarbeiter sind oder waren in Kurzarbeit, ihnen fehlt das Trinkgeld, das das Gehalt aufstockt. Nach der Wiedereröffnung können wir schätzungsweise nur etwa  Dreiviertel der Kunden im Vergleich zu vor der Pandemie bedienen. Auch das sind Verluste. Die Ausgaben dagegen bleiben: Miete, Material, Löhne und nun auch die Anschaffungen für die Schutzmaßnahmen.

Verspüren Sie auch Vorfreude?

Stangier: Natürlich. Friseur sein ist ja eine Berufung. Sicherlich brauchen wir ein oder zwei Wochen, um uns an die neuen Begebenheiten zu gewöhnen, und wir wieder ein Gefühl für unseren Salonalltag haben. Aber wir sind sehr gut vorbereitet und freuen uns auf unsere Kunden.

(bu )