Interview Lauterbach Leverkusen

Interview Karl Lauterbach (SPD) : „Politik ist Kampfsport mit Worten“

Der Abgeordnete, Mediziner und Universitätsprofessor achtet gerade bei der Ernährung auf seine Gesundheit.

Sie sind seit 2008 Adjudant Professor für Gesundheitspolitik und –management an der Harvard School of Public Health. Womit beschäftigen Sie sich dort?

Lauterbach Ich beschäftige mich mit Politik in der Vorbeugemedizin, also, wie bekommt man über politische Maßnahmen Vorbeugemedizin in die Fläche. Zudem forsche ich zur Entstehung von Krankheiten durch Umwelteinflüsse, im Wesentlichen geht es dabei um Herz-Kreislauferkrankungen, Demenz und Krebserkrankungen. Darüber hinaus behandle ich die Frage, wie man die Preise von Krebsmitteln kontrolliert.

Bleibt neben der Politik überhaupt noch Zeit für die Forschung?

Lauterbach Ich bin ein Suchtleser und arbeite jede Nacht an Studien. Bin also schon aus Suchtgründen auf diesen Lesestoff angewiesen, und natürlich, weil es mich interessiert. Ich bin nachtaktiv und habe nie aufgehört, Studien zu lesen und sie zu begleiten.

Wie gesund leben Sie selbst?

Lauterbach Ich kombiniere sehr ungesunde und sehr gesunde Faktoren. Ich ernähre mich gesund, verzichte komplett auf Salz, esse viel Obst und Gemüse, aber seit 30 Jahren kein Fleisch, dafür viel Fisch. Ich bin also nicht übergewichtig, und ich mache sehr viel Sport. Das ist die Habenseite. Was besonders ungesund ist: Ich habe zu wenig Schlaf, zu viel Stress und betreibe Sportarten, bei denen man sich leicht verletzt.

Ist Kampfsport gesundheitsförderlich?

Lauterbach Wenn man sich verletzt, nicht. Ich musste die Kampfsportart, die ich gemacht habe, aufgeben und spiele jetzt wieder sehr aktiv Tischtennis, was ich früher im Verein gespielt habe, weil die Knie nichts mehr anders zulassen.

Wie viel Kampfsport steckt in der Politik?

Lauterbach Politik ist Kampfsport mit Worten.

Was hat die SPD so krank gemacht?

Lauterbach Die SPD hat sich geopfert. Wir sind in die Koalition gegangen, weil niemand sonst mehr wollte, dass eine Koalition kommt. Wir haben unsere Pflicht wahrgenommen, doch das hat uns viel Zustimmung gekostet. Wären wir nicht in diese Koalition gegangen, hätte es die sozialdemokratischen Gesetze nicht gegeben. Der Koalitionsvertrag ist zu 70 Prozent Sozialdemokratie. Die Partei leidet in den Umfragen, doch wir erreichen viel.

Welche Therapie verordnen Sie Ihrer Partei?

Lauterbach Ruhe halten. Man darf den Erfolg der Regierungsparteien nicht nur an den derzeitigen Umfragen messen. Ich selbst schaue, was haben wir erreicht? Etwa bei den Pflegekräften. Dort haben wir die Situation deutlich verbessert. Das waren Gesetze, die wir hier in Leverkusen entwickelt haben, auch in Gesprächen mit dem Leverkusener Klinikum. Diese Gesetze werden die Pflegesituation nun in ganz Deutschland verbessern. Das sind große Erfolge, und es ist für uns wichtig, solche Erfolge zu benennen, nicht aus Eigenlob, sondern weil der Bürger ja wissen will, wieso soll ich euch noch wählen. Wir haben da viel erreicht.

Diese Erfolge scheinen beim Bürger aber nicht anzukommen, sonst wären die Umfrageergebnisse nicht so schlecht.

Lauterbach Das stimmt. Und wir sind es zum Teil auch selbst schuld. Unsere eigenen Leute sagen ja: Das bringt uns nichts bei den Umfragen. Doch ist es nicht so, dass wir nur an Gesetzen arbeiten, um gut dazustehen. Es darf beim Bürger nicht der Eindruck entstehen, dass wir Politik nur nach Umfragewerten machen, also nur um an der Macht zu bleiben. Wir dürfen Politik nicht für uns selbst machen, das ist der falsche Ansatz, und so habe ich es nie gesehen.

Haben Sie gute Vorsätze für 2019?

Lauterbach Ein Vorsatz ist, ich will ein Buch schreiben über die gesundheitlichen Folgen des Feinstaubs und ich will mich weiter einsetzen für die Leverkusener und Mülheimer Bürger im Wahlkreis und versuchen, weiter so gesund zu leben, dass ich diese Arbeit machen kann.

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