Leverkusen: Installation der anderen Art

Leverkusen : Installation der anderen Art

Die Mitglieder des Tanztheaters Schlebusch zeigten im Schloss Morsbroich Ausschnitte aus ihrer Aufführung "Body Politics". Dabei hoben sie die klassische Aufteilung von Bühne und Publikum auf.

Einige faszinierte Zuschauer ließen sie stets zurück. So war es im vorigen Monat, als die Mitglieder des Tanztheaters Schlebusch im Forum ihre experimentelle Aufführung mit dem Titel "Body Politics" — in einer Choreographie von Anna-Carolin Weber — zeigten.

Ganz ähnlich war es nun, als das Tanztheater beim Kunstverein Schloss Morsbroich in dessen Räumen zu Gast war. Doch handelte es sich nicht um eine weitere komplette Aufführung von "Body Politics", sondern um Teile aus dem Gesamtwerk, das im Rahmen der "Your Space"-Reihe des Kunstvereins präsentiert wurde.

Keine statische Angelegenheit

Rheinische Künstler können sich bei dieser Reihe in den beiden Räumen frei präsentieren, ganz so wie sie es wollen, beschrieb Kuratorin Sabine Becker. Das Tanztheater Schlebusch entschied sich daher für drei Performances in den beiden Räumen.

Interessant dabei, dass es nicht die klassische Teilung "hier Bühne — da Publikum" gab, sondern dass die Vorstellungen zwischen den Zuschauern stattfanden, und das auch noch in zwei im Vergleich zum Forum-Studio kleinen Räumen.

Auf dem Boden waren weiße Planen ausgelegt worden, die für die Tänzerinnen frei bleiben sollten, doch sonst bewegten sich die Tänzerinnen im Raum, und manchmal musste auch ein Zuschauer aus dem Weg gehen. Das Ganze war also keine statische Angelegenheit, sondern sehr lebendig.

Die jungen Tänzerinnen, die wieder in ihren schlichten, aber ebenso markanten Shirts auftraten, beherrschten ihr Metier abermals bestens, setzten nicht nur "Body Politics" gut um, sondern tanzten und liefen mit jener beeindruckenden Präzision, die die Choreographie erfordert.

Zum Beispiel in der Stuhl-Installation, wenn der Körper sich dem Möbelstück anpasst und dann die Fixierung durch Klebeband überwindet, passen sich die Tänzerinnen der räumlichen Struktur an, um schließlich zu einer großen menschlichen Skulptur zu werden.

Die etwa 70 Zuschauer, die schon gleich zur ersten getanzten Installation kamen — wieder kamen sehr viele Jugendliche, aber auch Eltern, Freunde und Verwandte der Tänzerinnen — genossen den Abend wie schon die Original-Aufführung im Forum und erlebten eine künstlerische Installation der anderen Art.

(cpg)
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