Innovationspark Leverkusen: Wuppermann AG will in Manfort bauen

Innovationspark : Dammstahl will in Manfort bauen

Im Innovationspark sollen ein Bürogebäude und ein Lager entstehen. Höhe und Lärm machen Nachbarn Sorgen.

Die Geschichte des Innovationsparks in Manfort beginnt vor 147 Jahren in Düsseldorf. In Oberbilk gründete Theodor Wuppermann ein Unternehmen, das seinen Nachnamen trägt und Halbzeuge und Schmiedestücke herstellte. Nach sieben Jahren kehrt Wuppermann Düsseldorf den Rücken, zieht mit seiner Firma nach Leverkusen, stellt Ende der 1880er Jahre Bandesien her und beschäftigt Anfang des 20. Jahrhunderts mehr als 400 Mitarbeiter. 1930 beginnt Wuppermann kaltgewalzte Profile herzustellen. Im Lauf der Jahre ist Wuppermann ein Begriff,  Firmenübernahmen und Beteiligungen folgen. Bis 1983. Wuppermann verkauft das Walzwerk an die Krupp Stahl AG. Als Grund nennt die heutige Wuppermann AG  die europäische Stahlkrise.

Den Verkauf überlebt das Walzwerk nicht. Aus heutiger Sicht vielleicht nicht das Schlechteste für eine Stadt wie Leverkusen, in der es eigentlich keinen Platz gibt für Industrieansiedlungen und immer weniger Flächen für Dienstleistungen. Denn das einstige Areal in Manfort, das für Stahlproduktion bekannt war,  erfährt eine komplette Umnutzung. Wo Backsteinkamine rauchten, haben sich Dienstleister untererschiedlichster Branchen vom Informations- und Dokumentenmanagement bis zur Rechtsanwaltskanzlei und Medizindienstleister angesiedelt. Das Finanzamt, wenn man so will, ist auch ein Dienstleister.

Im  Innovationspark, kurz IPL, arbeiten heute knapp 1500 Menschen in mehr als 50 Firmen. „Wir haben in Leverkusen eine sehr gute Expertise, wie man Brach- oder Altflächen neu nutzt“, hat Frank Obermeier, Chef der Wirtschaftsförderung, im vergangenen Jahr, als die WfL 20. Geburtstag feierte,  fast süffisant angemerkt. Und der IPL ist auf Wachstumskurs: Ein Investor will ein Hotel dort ansiedeln, weil das Gelände nah am Bahnhof Schlebusch liegt. Das Haus soll demnach bis zu 180 Zimmer haben.

2018 weihte der Medizindienstleister MEd 360° seine Zentrale im IPL ein, ebenso der Fleischgroßhandel „Der Weidener“. Und auch der Stahl kehrt offenbar auf das 40 Hektar große Areal zurück. Die Firma Dammstahl will ihren Edelstahlgroßhandel ansiedeln, teilt die Stadt in einer Beratungsvorlage mit. Die alten Wuppermann-Hallen müssten dafür abgerissen werden  „Die Entsorgung von Altlasten, welche aus der früheren Nutzung resultieren, wurde durch den derzeitigen Eigentümer unter Begleitung von Fachbüros durchgeführt“, heißt es weiter.

Ein repräsentativer Bürogebäudeneubau  und ein Lager mit zwei Hochregallagern könnten entstehen, und mit ihnen Arbeitsplätze für 104 Beschäftigte im Drei-Schicht-Betrieb. „Vorgesehen sind die Kornmissionierung und das Ablängen von Edelstahlprofilen, Edelstahlblechen, Rohren, Vollmaterial und Zubehör. Die Be- und Entladung der Lkw findet dabei innerhalb der Hallen statt“, sagt die Stadt.

Weil die Gebäude teils bis zu 22 Meter Höhe haben, muss der Bebauungsplan geändert werden. Aus der Nachbarschaft kamen Rückfragen, etwa von der IG  Schleswig-Holsteinsieldung. Deren Vorsitzender Friedrich Jonas forderte: „Die Bauhöhe sollte nicht höher liegen, als die bestehende heutige Hallenhöhe. Denn durch die geplante Erhöhung von elf auf 22 Meter werden wir die morgendliche Sonne nicht mehr zu sehen bekommen.“

Die Stadt aber sagt: Schon die Bestandsgebäude seien „höher als die formulierten elf Meter. Sie haben eine tatsächliche Firsthöhe von 13,5 bis 14 Meter über der natürlichen Geländeoberfläche von 52 Meter.“

Das neue Gebäude sei somit, „abgesehen von den beiden Hochregallagern, 2,5 bis drei Meter niedriger als die Bestandsgebäude. Die Hochregallager sind zudem mittig in der Halle vorgesehen, sodass der Abstand zur Wohnbebauung um weitere 30 Meter abgerückt wird“. In den Wintermonaten sei in den Morgenstunden mit „kurzfristigen Verschattungen zu rechnen“.

Das geplante Hochregallager sei das Herzstück des Unternehmens und sei „kein Baukörper, der durch intelligente Planungsanpassung mit beliebigen Parametern geformt werden kann, sondern ist eine technische Prozessanlage mit feststehenden normierten Bestandteilen“. Jonas, der seit Jahren für mehr Lärmschutz der autobahn- und bahnliniengeplagten Siedlung kämpft, merkte auch an, dass an dem Baukörper werden der Autobahn-, Bahn- und Stadionlärm reflektiert werden. „Die Wand zu unserer Siedlung sollte mit entsprechenden Akustikeigenschaften erstellt werden, sodass die Reflexionen stark reduziert oder eliminiert werden“, forderte er.

Die Stadt sagt dazu: Neue Gewerbebetriebe müssen die Bestimmungen und Immissionsrichtwerte der TA Lärm einhalten, um genehmigungsfähig zu sein. Daher wird in Abstimmung mit der Unteren Immissionsschutzbehörde zur Neuansiedlung ein Immissionsschutzgutachten erstellt, das eine Lärmprognose des Betriebes erarbeitet sowie seine Auswirkungen auf das Umfeld untersucht. „Sollten die vorgeschriebenen Immissionsrichtwerte der TA Lärm an den Gebäuden der Schleswig-Holstein-Siedlung nicht eingehalten werden, sind Maßnahmen zu erarbeiten, die dies gewährleisten. Hierzu gehören etwa der Ausschluss von Anlieferungen während der Nacht oder die Ausstattung der Betriebsgebäude und Betriebsanlagen durch schallschützende Einrichtungen, die insbesondere ein Ausbreiten von Betriebsgeräuschen aus den Gebäuden oder von den Außenflächen verhindern.“

In einer Sondersitzung des Bauausschusses am Montag  äußerte sich die  Politik positiv. Die Entscheidung der Ansiedlung wurde aber bis in die Ratssitzung im April vertagt.

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