Innenministerium schaltet sich in Leverkusener Mammutprozess ein

Zeugenschutz : Innenministerium schaltet sich in Mammutprozess ein

(RP) In den „Don-Mikel-Prozess“ hat sich das Innenministerium des Landes eingeschaltet. In einem ausführlichen Brief an Richter Helmes, Vorsitzender der 17. Großen Strafkammer des Kölner Landgerichts, begründet ein Kriminaldirektor die vorgenommene Anordnung einer Sperrerklärung: Die Identität der Informantin „Maria“ bleibt geheim.

Diese Information war es, die mit detaillierten Angaben die Polizei auf die Betrugsmaschen und vor allem die Geldwäschegeschäfte der Leverkusener Großfamilie brachte. Vor allem geht es gegen das Junior-Oberhaupt mit dem Spitznamen „Don Mikel“.

Daher wird das Mammutverfahren, das noch rund zwanzig Verhandlungstage vor sich hat, auch als „Don-Mikel-Prozess“ bezeichnet. So wichtig der Schutz der Informantin ist, so ernüchternd sind auch die in dem umfangreichen Schreiben ans Gericht vorgetragenen Gründe für die Sperrerklärung und die damit verbundene Einschätzung der Gefährlichkeit der Familie.

In dem vom Gericht verlesenen Schreiben heißt es unter anderem, dass es sich bei der Familie allein im Großraum Leverkusen um mehr als 100 Mitglieder handelt, die gewaltbereit und rücksichtslos bis hin zum Gebrauch von Schusswaffen seien. Erwähnt wurde auch ein Zwischenfall vom 28. Oktober 2017, als ein Fernsehteam von zwei Cousins angegriffen und mit einem Backstein beworfen wurde.

Vor der Justizvollzuganstalt Aachen, in der derzeit der Hauptangeklagte Michael G. in Untersuchungshaft sitzt, soll anlässlich eines Treffens von  Familienangehörigen der Vater des Angeklagten gesagt haben, man würde „Maria“ die Zunge abschneiden, wenn man sie erwischen würde.

Da derzeit zwei der vier Angeklagten nicht in Untersuchungshaft seien, ergebe sich ein erhebliches Bedrohungspotenzial durch den Famlienclan. Zumal wohl auch noch weitere Verfahren anstehen würden, die durch die Angaben von „Maria“ ausgelöst wurden.

Zwar gelte grundsätzlich vor Gericht, dass die Zeugen persönlich vernommen werden müssen. In diesem Fall musste sich die Kammer aber auf die Aussagen eines Kriminalhauptkommissars beschränken, der „Maria“ kennt, betreut und ihre Aussagen protokolliert hat. An der Zuverlässigkeit von „Marias“ Angaben gebe es keine Zweifel, zumal die Angaben durch die weiteren umfangreichen Ermittlungen bestätigt wurden, führte der Beamte aus.

Gegen diese Sperrerklärung könnten die Verteidiger nun Klage erheben. Doch in ersten Stellungsnahmen wiesen sie darauf hin, dass sie darauf verzichten würden: Das würde den Prozess nur unnötig in die Länge ziehen, zudem entsprechende Klagen in anderen Prozessen  bislang von den höheren Instanzen abgewiesen wurden. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.