Leverkusen: In Witzhelden gelingt die Inklusion

Leverkusen : In Witzhelden gelingt die Inklusion

Landauf, landab Klagen, dass für Inklusion in Kitas das Personal fehlt. Dass es auch gut laufen kann, zeigt ein Blick in die Villa Kunterbunt im Höhendorf.

Wenn ein Kind in den Kindergarten kommt, hat es meist zuvor nur eine Gruppe kennen gelernt: die eigene Familie. Der Kindergarten ist dann die zweite Gruppe. Wenn es sich in dieser angenommen fühlt und merkt, dass es ganz selbstverständlich dazugehört, spielt das eine entscheidende Rolle für seine Identitätsfindung. Das gilt insbesondere bei Kindern mit Inklusionsbedarf.

"Und genau da kommen wir ins Spiel", erzählt Klaudia Hermsmeyer. Die Kita-Leiterin der Villa Kunterbunt in Witzhelden arbeitet seit drei Jahren dort. Bereits davor wurde Inklusion an der evangelischen Kita großgeschrieben. Deshalb ist diese barrierefrei. Aktuell sind fünf Förderkinder in der Einrichtung. Alle haben unterschiedlichen Förderbedarf, wie Anke Walter, Heilpädagogin und Gruppenleiterin der Elefantengruppe, sagt: "Bewegung, Sinneswahrnehmung und Motorik - all das brauchen Kinder und fördern wir zum Beispiel in unserem Bewegungsraum." Für Kinder, die nicht sprechen können, gibt es die Möglichkeit der Gebärdensprache. Diese lernen alle 15 Kinder in der Gruppe. So können sich alle verständigen, wenn sie etwa Hunger haben oder auf die Toilette müssen.

Auch ein sogenannter "Talker" wird im Alltag benutzt. Hier kann das Kind auf digitale Bilder klicken und so erzählen, was es gerne möchte. Im kommenden Musical-Stück, das die Kita bald aufführt, wird so auch ein Kind mit Inklusionsbedarf eine Rolle spielen können. Relativ neu ist auch der Snoezelraum. Er ist ein angenehm warmer Raum, in dem man, bequem liegend oder sitzend, umgeben von leisen Klängen und Melodien, Lichteffekte betrachten kann. Der Raum dient hauptsächlich zur Reizsteuerung, weckt Interesse, ruft Erinnerungen hervor und nimmt Ängste. Auch er wird von allen Kindern stark frequentiert.

Im Sommer verlassen zwei Inklusionskinder die Einrichtung und somit werden zwei Plätze frei. "Wer unser Angebot wahrnehmen möchte, kann sich bei uns gerne informieren", bestätigt die Einrichtungsleiterin. Der enge Kontakt mit Eltern, Therapeuten und Erziehern ist der Kita wichtig. "Denn zum Einen bekommen wir alle ein besseres Gesamtbild über das einzelne Kind mit seinen Fördermöglichkeiten, und zum Anderen bietet dies auch Entspannung im Terminstress." Eltern müssten nachmittags keine Termine mehr bei Logopäden, Ergotherapeuten oder Heilpädagogen machen, weil die direkt in die Einrichtung kommen. Und auch im Förderantragsdschungel stehen die Erzieher den Eltern zur Seite, damit diese nicht den Überblick verlieren.

Infos und Kontakt im Internet unter www.kita-verbund.de

(hawk)
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