1. NRW
  2. Städte
  3. Leverkusen

In Wiesdorf fallen die Haar für die gute Sache

Wiesdorfer Friseurin sammelt Haar für Krebskranke : Haare ab für einen guten Zweck

Zwei junge Frauen lassen sich ihre Haare für einen guten Zweck abschneiden. Für Krebskranke können daraus Echthaar-Perücken gefertigt werden.

Tränen, Freude, Aufregung und Erleichterung. Alles ist dabei, als Özge Kabukcu aus Monheim und ihre Berliner Freundin Ceylan Cetin einen großen Schritt wagen. Schon ein Leben lang haben die beiden Frauen langes Haar. Sich von ihm zu trennen, kam nicht in Frage. Doch nun heißt es im Wiesdorfer Friseursalon Creativ Hair Styling plötzlich „schnipp schnapp Haare ab“ – und zwar für einen guten Zweck.

Vom Rapunzel-langen Haar zum asymmetrischen Bob – vorne lang, hinten kurz. Das ist jedenfalls der Plan. Erst im vergangenen Jahr haben sich Ceylan und Özge überlegt, ihre Haare kurz zu schneiden. Aber nicht einfach so. Dazu brauchte es schon einen guten Grund. Die Haare einfach wegzuschmeißen, findet Özge viel zu schade. Ihre Idee: die abgeschnittenen Haare spenden. Und zwar an die Haarmanufaktur Rieswick und Partner. Aus Özges und Ceylans Haaren wird eine Echthaar-Perücke angefertigt, die die Manufaktur an Hilfsorganisationen wie die Deutsche Krebshilfe spendet.

Özges Mutter Hatice Kabukcu, der der Friseursalon gehört, unterstützt ihre Tochter „doppelt und dreifach“, obwohl sie sich selbst als „Langhaarspezialistin“ bezeichnet und bei ihren Kunden auch mal mit dem Maßband zentimetergenau nachmisst. Sie selber hat vor einigen Jahren eine Familienangehörige durch eine Krebserkrankung verloren. Auch Ceylan hat einen persönlichen Bezug zu dem Thema. Sie möchte deshalb mit der Aktion unbedingt „Menschen ein Lächeln schenken“.

  • Caroline Maibom spendet ihren Zopf. Daraus
    Studentin aus Wesel war dreieinhalb Jahre nicht beim Friseur : Eine Zopfspende für den guten Zweck
  • Mit seinem Auftritt endete das Sommerprogramm
    Comedy in Viersen : Bülent Ceylan ist jetzt Viersener
  • Comedian Markus Krebs ist stolz auf
    Comedian kommt nach Hückelhoven : Markus Krebs spielt am Donnerstag in Hilfarth

Aufgeregt und voll Vorfreude machen sich die Berlinerin und die Monheimerin bereit, ihre langen dicken, braunen Haare zu verabschieden. Knapp einen Meter sind Ceylans Haare lang. Mindestens 40 Zentimeter kommen ab. Für ihre Hochzeit wollte sie ihre Haare eigentlich noch behalten. Auch Özge hoffte auf ein besonderes Ereignis. Das kam nicht. „Also warum warten?“, hatten sie sich überlegt.

Je nach Gesundheit und Dicke des Haares können Experten daraus eine Perücke knüpfen. Sonst werden sie zur Korrektur genutzt.  20 Zentimeter muss Hatice Kabukcu mindestens abschneiden, um die Haare weiterzuverwenden. Unbehandelt muss es nicht sein. So kann Özge trotz Blondierung ihre Haare spenden. Ob es für eine eigene Perücke reicht, steht allerdings noch nicht fest. Ceylans Haare, schwarz und ohne Färbung, könnten für eine Perücke genug sein, meint die Diplom Coloristin Kabukcu, die seit 20 Jahren den Laden betreibt.

Sie möchte unbedingt etwas Gutes tun. Zumal die Gesundheitskasse für Perücken an Krebs Erkrankter nur rund 100 Euro zahlen würde. „Das reicht vielleicht für eine künstliche Perücke, aber noch lange nicht für echtes Haar,“ moniert die Friseurin. Das würde mit rund 1000 Euro das Zehnfache kosten. Jede Strähne werde einzeln geknüpft – Millimeterarbeit. Das könne Wochen bis Monate dauern.

Fast hätten Özge und Ceylan einen Rückzieher gemacht. Aber „der Gedanke, Menschen eine Freude zu machen, lässt alles vergessen“, betont die Monheimerin. 

Özge trennt sich auch von ihrer Dreadlocke, die sie sich nach dem Abitur mit ihrer besten Freundin gemacht hat. Augen zu und Zähne zusammenbeißen, heißt es deshalb nun. Sie ist als Erste an der Reihe: Ihre Haare werden von der Friseurmeisterin gewaschen und geflochten – in vier Zöpfe. Für nur einen Zopf sind ihre Haare zu dick. „Den ersten Schnitt habe ich richtig gespürt“, bemerkt sie, „Das fühlt sich ungewohnt leicht an“. Dann gibt es kein Zurück mehr. Jetzt noch föhnen und frisieren  für den Feinschliff — und fertig. Die beiden Freundinnen sind mehr als zufrieden mit dem Ergebnis: „Es fühlt sich richtig schön an.“ Und Özge schließt an: „Dass wir uns beide getraut haben, hat es für mich einfacher gemacht.“