Leverkusen: Impfmüdigkeit macht Tollwut wieder zur schleichenden Gefahr

Leverkusen : Impfmüdigkeit macht Tollwut wieder zur schleichenden Gefahr

Impfmüdigkeit greift nicht nur in der Humanmedizin um sich. Auch örtliche Veterinäre beobachten eine solche Entwicklung mit Sorge. Denn wenn Tiere nicht geimpft werden, können sich Seuchen schnell verbreiten. Amtsveterinär Dr. Kurt Molitor schlägt jetzt Alarm.

Beispiel Tollwut: In Deutschland ist die tödlich endende Virusinfektion seit 2008 zwar weitgehend ausgerottet. Sporadisch trete sie aber immer mal wieder auf, beschreibt Molitor. Als Problem bezeichnet er zum einen die legale oder illegale Einfuhr von Hunden und Katzen aus Osteuropa und Urlaubsländern. Zum anderen die Mitnahme nicht ausreichend geimpfter Tiere dorthin. Tierbesitzer laufen Gefahr, dass sich ihre Tiere dort anstecken.

Treten nach der Rückkehr aus dem Ausland typische Symptome wie etwa Grippe, Appetitlosigkeit, Muskellähmungen oder Schluckbeschwerden auf, muss das Tier über Monate auf Kosten des Halters eingesperrt, im schlimmsten Fall sogar getötet werden. Nur durch ausreichenden Impfschutz lässt sich das verhindern.

Je nach Arzt kostet eine Komplettimpfung mit Tollwut um die 100 Euro. Frei laufende Katzen ohne Mikrochip würden meist ohnehin getötet, da man davon ausgehe, dass sie nicht geimpft seien, sagt Molitor. Sollten Menschen durch Tiere gebissen oder gekratzt worden und in Kontakt mit kranken Tieren gekommen sein — Tollwut wird durch infizierten Speichel übertragen — müssen sie innerhalb von 72 Stunden geimpft werden. Allerdings kann die Periode zwischen der Infektion und den ersten Symptomen bis zu sechs Monaten betragen. Eine Ansteckung ist daher schwer zuzuordnen.

Sind Menschen erst einmal erkrankt, gibt es keine Heilungschancen. Das Virus dringt durch die Nervenbahnen ins Gehirn, die Lähmung des Atemzentrums führt unweigerlich zum Tod. In vielen Ländern gilt Tollwut als Problem. In europäischen Ländern sind Füchse und Fledermäuse die Infektionsquellen, in Indien vor allem streunende Hunde. Dort sterben schätzungsweise pro Jahr bis zu 50 000 Menschen. Aus China werden jährlich 5000 Tollwuterkrankungen gemeldet. Bei Auslandsreisen sollte schon deshalb eine Impfung in Betracht gezogen werden.

Um jegliche Ansteckungsgefahr zu vermeiden, rät Molitor dringend davon ab, Wildtiere jeglicher Art zu berühren. Größte Vorsicht ist vor allem bei totem Wild geboten sowie bei Tieren, die zutraulich sind. Kinder sollten diese keinesfalls anfassen oder mit nach Hause nehmen.

Ob der Impfschutz bei Mensch und Tier ausreicht oder ob nachgeimpft werden muss, lässt sich durch den so genannten Titer bestimmen, der Auskunft über Konzentration eines Antikörpers oder eines Virus gibt. Tiere sind mit mindestens 0,5 Einheiten auf der sicheren Seite.

(gkf)
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