Im Nähstudio von Ulrike Walter hat Billigware keine Chance

Nähstudio Ulrike Walter : Hier hat Billigware keine Chance

An der Kölner Straße führt Ulrike Walter ihr Nähstudio. Ihr Markenzeichen: Ausführliche und individuelle Beratung der Kunden.

Früher stand sie vor der Ladentheke, seit 2012 steht Ulrike Walter dahinter und berät die Kunden ihres Nähstudios an der Kölner Straße. Sie verkauft nicht nur Stoffe, Schnittmuster und diverse Kurzwaren vom Knopf bis  zu kleinen Spezialgeräten, sondern kennt sich auch mit Beschaffenheit und Verarbeitung aus. Bevor sie selbst das Geschäft von Helma Göpfert übernahm, hat sie mehr als zehn Jahre lang Nähkurse gegeben.

Etwa 50 Frauen lernten bei ihr wöchentlich den Umgang mit Schnittmuster, Nadel und Nähmaschine. Von der erforderlichen Geduld profitieren heute ihre Kundinnen, wenn sie mit ungewöhnlichen Anliegen kommen. Eine hat gerade ein leichtes Sommerkleid auf der Theke ausgebreitet, weil sie die sehr kurzen Ärmelchen der Konfektionsware verlängern möchte. Vielleicht mit Spitze? Die hat Ulrike Walter in mehreren Dessins, Materialien und Breiten.

Sie legt die Alternativen nicht nur auf den Stoff, um den passenden Farbton zu finden, sondern zeigt, wie das Spitzenband anzusetzen ist und steckt es probeweise gleich fest, um die Wirkung zu zeigen und die benötigte Länge abzumessen. 3,90 Euro verlangt sie schließlich dafür. Keine große Einnahme für eine umfangreiche Beratung. Aber so rechnet Ulrike Walter nicht. Für sie ist wichtig, dass die Kundin zufrieden den Laden verlässt. Es sei längst allgemein bekannt, dass sie immer eine Lösung finde. „So ein Geschäft funktioniert nur über persönliche Beratung“, ist sie überzeugt. „Wer nicht mit Begeisterung und Herzblut dabei ist, der kann sich nicht halten.“

Eine Goldgrube ist das nicht, schon gar nicht im letzten Sommer, als während der Hitzeperiode niemand den Wunsch zum Nähen verspürte und einige Stoff-Großhändler sogar Personal entlassen mussten. Wenn Ulrike Walters Geschäft leer ist, hält sie sich im hinteren Teil auf, wo weitere Stoffballen, nach Farben sortiert, in Regalen gestapelt sind.

Das Lager hatte sie als Raum für Nähkurse eingerichtet, die sie parallel zum Verkauf weiterführte – bis ihr der späte Feierabend vor zwei Jahren zu anstrengend wurde. Weil sie während der Tageskurse Personal für den Verkauf anstellen musste, lohnte sich der Aufwand nicht wirklich. Jetzt näht sie dort für sich selbst und stellt Fotos davon als Inspiration für Kunden auf die Homepage, auf Instagram und Facebook. Außerdem näht sie Tischdecken aus blumigen Greengate-Stoffen, die nebenan im „Fach-Werk“-Laden von Angelika Huth verkauft werden.

Das Internet ist Ulrike Walters größter Konkurrent, ebenso der halbjährliche Stoffmarkt, der mit günstigen Preisen lockt. Aber Qualität hat ihren Preis, versichert sie. Und billige Ware, die sich verzieht oder nach wenigen Wäschen Farbe und Fasson verliert, hat bei Ulrike Walter keine Chance. Sie verlässt sich lieber auf die Händler ihres Vertrauens.

Außer Stoffen aller Art, Vlieseline und Futtertaft hat sie ein stattliches Sortiment an Knöpfen und Kurzwaren, ebenso Schnittmuster für Kleidungsstücke. „Ich habe den Schritt auch nur gewagt, weil dies ein Traditionsgeschäft war“, erzählt sie. Der alte Kundenstamm sei ihr treu geblieben. Viele waren froh, dass jemand den kleinen aber gut sortierten Stoffladen weiterführte.

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