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Leverkusen: Hohe Haftstrafen für Brandanschlag

Leverkusen : Hohe Haftstrafen für Brandanschlag

"Es war ein langes Verfahren mit Ecken und Kanten – und wir waren sehr beruhigt, in einem echten Betonbau zu sitzen. Bei all den Lügen, die wir uns anhören mussten, hätten sich sonst die Holzbalken gebogen. Wir sind massive belogen worden – sowohl von den Angeklagten als auch von den Zeugen."

"Es war ein langes Verfahren mit Ecken und Kanten — und wir waren sehr beruhigt, in einem echten Betonbau zu sitzen. Bei all den Lügen, die wir uns anhören mussten, hätten sich sonst die Holzbalken gebogen. Wir sind massive belogen worden — sowohl von den Angeklagten als auch von den Zeugen."

Beim Urteilsspruch zum Prozess um den Brandanschlag auf ein Haus der Familie Goman in Wiesdorf im Juli 2011 fand die Vorsitzende Richterin Ulrike Grave-Herkenrath gestern klare Worte.

Zu elf Jahren und neun Monaten Haft wurde der 23-jährige Angeklagte verurteilt, sein jetzt 18-jähriger Komplize bekam fünf Jahre und drei Monate Jugendstrafe. Beide seien des versuchten Mordes in acht Fällen, besonders schwerer Brandstiftung und unerlaubten Waffenbesitzes schuldig, betonte die Richterin.

Kein volles Geständnis

In ihrer zweistündigen Urteilsbegründung führte sie auch aus, dass der 23-Jährige nur knapp an einer lebenslänglichen Haftstrafe vorbeigeschrammt sei — die Richter hätten sein Teilgeständnis berücksichtigt und die Tatsache, dass "niemand ernsthaft verletzt" wurde. Trotzdem monierte sie: "Jeder für sich hat gesagt, er sei sofort abgehauen — in vollem Umfang hat keiner von ihnen gestanden."

Der 23-Jährige habe seinen deutlich jüngeren Freund angestiftet, "weil er keine Lust hatte, erwischt zu werden und daher Arbeitsteilung für eine gute Idee hielt", sagte Grave-Herkenrath. Der jüngere wiederum "war einfach scharf auf das Geld", das der 23-Jährige ihm als Belohnung für seine Hilfe versprochen hatte — immerhin 35 000 Euro. Zu ihm sagte sie: "Warum Sie die Hosen nicht komplett runtergelassen haben, ist mir ein Rätsel. Sie hätten nur gewinnen können, indem Sie uns zeigen, dass Sie bereuen."

Der Ältere, führte die Vorsitzende aus, habe "nichts in der Hand, aber eine große Klappe. Da kommt einem Baron Münchhausen in den Sinn." Der psychiatrische Sachverständige habe den 23-Jährigen gefragt, ob er eine frei erfundene Geschichte erzähle, weil er bei der Wahrheit Repressalien fürchte — da habe der mehrmals genickt.

Auch die Zeugen, Mitglieder der Großfamilie Goman, hätten massiv gelogen, sagte Grave-Herkenrath. "Im Bezug auf die Vorgeschichte, auf die Herkunft der Luxusautos, die sie fahren, auf Immobiliengeschäfte und die Berechnung zum Bezug von staatlichen Leistungen. Das wird polizeiliche und staatsanwaltschaftliche Ermittlungen nach sich ziehen."

"Das ist unterirdisch"

In jedem Fall habe es sich um einen heimtückischen Racheakt gehandelt, sagte die Richterin. Eine Tat aus niedrigen Beweggründen. Begangen an Opfern, "die damit nichts zu tun hatten; das ist unterirdisch".

Beide Angeklagten verzogen während der Verkündung keine Miene. Der Anwalt des jüngeren Verurteilten hat bereits angekündigt, in Revision zu gehen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Brandanschlag auf Mehrfamilienhaus in Leverkusen

(RP/jco)