Hobbytreff : Verkauft wird, was den Test besteht

Freia und Rudolf Moormann führen an der Kölner Straße ihr Geschäft „Hobbytreff“, ein Eldorado für Kreative.

Die kleinen transparenten Ballons sind mit Glitter, Federn oder Glitzerkonfetti gefüllt, dabei hatte Freia Moormann Hilfe von ihrer Enkelin. Jetzt will sie noch einige Tage abwarten, ob sich die Luft in diesen neuen „Trend-Ballons“, die als dekorative Beigabe zu Geschenken gedacht sind, auch lange genug hält. Wenn sie zu früh schlapp machen, wird sie davon Abstand nehmen, bestehen sie den Test, wird man Ballons und Zutaten demnächst bei ihr im Opladener „Hobbytreff“ kaufen können. „Ich möchte auch nichts kaufen, das nicht klappt“, sagt sie. Deswegen gibt sie ihren Kunden auch nur ehrliche Empfehlungen. Vor 33 Jahren, am 2. November 1985, hat Freia Moormann den Laden an der oberen Kölner Straße  zusammen mit ihrer Schwester eröffnet. Seit 1999 führt sie ihn alleine. Für zwei Inhaberinnen warf das Geschäft nicht genug ab, sagt sie. Doch seit 15 Jahren hat sie wieder einen Mitarbeiter.

Seit ihr Mann Rudolf Moormann Rentner ist, unterstützt er seine Frau im Hobbytreff. Meistens steht er schon am Vormittag hinter der Kasse, die Nachmittags-Schicht übernimmt er alleine, damit sie sich um den Haushalt oder Enkelkinder kümmern kann. Fachkenntnisse in Basteltechniken und Handarbeiten musste er sich erst aneignen, denn vorher hatte er als Bauleiter gearbeitet. Bei Freia Moormann war es umgekehrt. „Ich habe getöpfert wie ein Weltmeister“, erzählt sie. Und als sie 1985 das leerstehende Ladenlokal entdeckte, kam sie auf die Idee, das Hobby zum Beruf zu machen. „Wir haben ganz klein angefangen“, erinnert sie sich. Die hinteren Lager-Räume, in denen auch Arbeits-Tische für Kreativkurse stehen, gehörten noch nicht dazu. Auch das Sortiment war zunächst bescheiden. Kunden, deren Wünsche sie nicht erfüllen konnte, schickte sie zu Foltin, dem Traditionsgeschäft für Bastelbedarf und Farben, das schon lange nicht mehr existiert.

Nach und nach wurde das Angebot erweitert. Acryl- und Aquarellfarben kamen dazu, auch die Seidenmalfarben zum einbügeln. Mit jedem neuen Trend kamen weitere Nachfragen, auf Töpferei und Seide folgten Tiffany, Porzellanmalerei, Puppen oder später Window-Colour. Einige Zeit fanden im vergrößerten Laden Kurse in diversen Techniken statt. Die hat Freia Moormann inzwischen eingestellt, einmal weil sie zusätzliches Personal brauchte, zugleich habe die Nachfrage nachgelassen. Viele würden sich im Internet über Basteltechniken informieren, sagt sie und gibt zu, dass sie ja auch selbst ein YouTube Video anschaut, wenn sie ihre Strickkenntnisse auffrischen will.

Wolle war anfangs kein Thema für sie, vor 30 Jahren gab es in Opladen noch mehrere Wollgeschäfte, die verschwanden, als Stricken und Häkeln vorübergehend out waren. Seit die Nachfrage wieder da ist, hat sie auch Garne ins Sortiment aufgenommen. Das Internet ist die größte Konkurrenz, da kaufen auch manche Leute, die sich vorher von ihr ausführlich beraten ließen. Sie werde oft gefragt, wie lange sie den Hobbytreff noch halten werde, sagt Freia Moormann. Ihre ehrliche Antwort: „Ich weiß es nicht, so lange wir gesund bleiben und uns so fit fühlen.“

Sie ist inzwischen 71, ihr Mann sogar 78 Jahre alt. Für dieses Geschäft ließe sich auch kein Nachfolger finden, das könne sie niemand raten. Und es müsste erst von Grund auf renoviert werden. Aber noch gilt: „Ich steige morgens in mein Auto und das fährt von ganz alleine hierher.“

Mehr von RP ONLINE