Hitzewelle in Leverkusen: Die  Alpaka-Dusche ist in Betrieb

Sommertemperaturen : Hitze: Die Alpaka-Dusche ist in Betrieb

Leverkusener Schulen stellen auf Kurzstunden um. Waldbrandgefahr sehr hoch. Kein Hitzefrei für die Müllabfuhr.

Ralf Pilgram schläft derzeit unruhig – wegen der warmen Nächte. Aber auch, weil „die Waldbrandgefahr quasi stündlich steigt“, sagt der Leverkusener, der die Forstverwaltung für den Bürgerbusch und den Scherfenbrand inne hat. Deswegen geht Pilgram besonders wachsam durch die großen Waldstücke in der Stadt, hebt Flaschen und Glasscherben auf. Bleiben sie liegen und „die Sonne steht in einem gewissen Winkel, entsteht der Brennglaseffekt“, sagt er. „Eine ganz gefährliche Sache.“ Eine waldbrandgefährliche. Denn ohnehin sei das Unterholz rappeltrocken, die Fichten durch Borkenkäferbefall braun. Einen Flächenbrand habe es neulich an der Bahnstrecke in der Fixheide gegeben. „Das ist nicht weit weg vom Bürgerbusch. Wenn da die Funken geflogen wären...“ Sein Appell an Waldbesucher: keine Zigaretten und Flaschen im Wald.

Wenig Schlaf bekommen auch die Mitarbeiter im Tierpark Reuschenberg. „Wir fangen früher mit der Arbeit an, statt um 7 Uhr bereits zwischen 4.30 und 5 Uhr“, berichtet Leiterin Sabine Honnef. Die Arbeiten in Bereichen, die von der Sonneneinstrahlung betroffen sind, werden am Morgen erledigt, Arbeiten im Schatten später.

Zwischendrin wird geduscht. Die Brause spendieren sich die Mitarbeiter nicht gegenseitig, sondern den Alpaka-Damen. „Die duschen für ihr Leben gerne“, verrät Honnef, die darauf hofft, dass über eine aktuelle Aktion eine Sensortechnik angeschafft werden kann, die die Damen selbst betätigen, um die Brause zu bedienen. Während sich viele tierische Bewohner in den Schatten verkriechen, kühlt sich der Luchs das Bäuchlein im Teich mit Wasser. Hitzefrei im Tierpark gibt es nicht.

Erst recht nicht bei der Müllabfuhr. Die darf – das ist gesetzlich geregelt – nicht ein, zwei Stunden früher ihre Runde beginnen. „Wenn dann nämlich die Behälter noch nicht an die Straße gestellt wurden, müssten sie zweimal ihre Runde drehen“, sagt Claus-Dieter Steinmetz vom Entsorger Avea. Aber die Mitarbeiter arrangierten sich, legten manchmal zehn Minuten früher los. Arbeitgeber Avea stellt Mineralwasser zur Verfügung. „Das gehört zu unseren Sozialleistungen“, sagt Steinmetz. „Damit sich jeder versorgen kann. Unterwegs, aber auch auf unseren Anlagen, etwa am Wertstoffhof, wo Mitarbeiter an den Containern im Freien stehen.“ Unter Sonnenschirmen.

In NRW geregelt ist auch, ab wann eine Schule Hitzefrei geben darf. „Als Anhaltspunkt ist von einer Raumtemperatur von mehr als 27 Grad Celsius auszugehen“, heißt es in einem Ministeriumserlass. Dazu gibt es weitere Vorgaben. Etliche weiterführende Schulen in der Stadt stellen in dieser Woche auf Kurzstunden um, etwa Landrat-Lucas-Gymnasium, Käthe-Kollwitz-Gesamtschule, Theodor-Heuss-Realschule und Marienschule: „Die Stunden sind in etwa auf 35 Minuten gekürzt“, sagt Schulleiter Dieter Miedza. Und: „Wir haben Gebäudebereiche mit unterschiedlicher Sonneneinstrahlung. Wenn es in einem Raum sehr warm ist und keine Wechselmöglichkeit besteht, können die Lehrkräfte entscheiden, ob sie die letzte Schulstunde früher beenden.“

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