Leverkusen: Hitdorferin von RWE-Werbern bedrängt

Leverkusen: Hitdorferin von RWE-Werbern bedrängt

Die Werber seien unfreundlich gewesen und hätten direkt nach ihrer aktuellen Stromrechnung verlangt, moniert die Frau. Auch die Energieversorgung Leverkusen hatte wegen der Haustürwerbung mit RWE zu tun. Vor Gericht.

Das hat die Hitdorferin schockiert: Am Dienstag meldeten sich Mitarbeiter des Essener Stromkonzerns RWE sehr offensiv bei ihr. Weil sie die Klingel abgestellt hatte, "klopften die Vertreter ziemlich lautstark an die Tür. Das fand ich schon unverschämt." Die beiden RWE-Leute hätten sich kurz vorgestellt, dann fragten sie "direkt nach meiner Rechnung und nicht, ob sie mir vielleicht ein Angebot machen dürften", beklagt die Hitdorferin das Vorgehen. "Sie sprachen in einem unfreundlichen Ton und haben auch nicht aufgehört, als ich mehrmals gesagt habe, dass ich gar nicht wechseln will. Ich habe mich von ihnen bedrängt gefühlt."

Vor zwei Monaten sei schon mal jemand von RWE da gewesen, auch bei der Nachbarin. "Die hat sich fürchterlich erschreckt und aufgeregt, weil sie dort lange sturmgeklingelt haben", erzählt die Hitdorferin. Für sie mache solch' ein Vorgehen den Eindruck einer Drückerkolonne.

Oder waren falsche RWE-Vertreter an der Tür? Mario Leikop, Sprecher der RWE Vertrieb AG, winkt ab. Es seien Mitarbeiter eines beauftragten Unternehmens für RWE unterwegs, um an der Haustür Kunden zu werben.

"Diese Vertriebsart betreiben wir seit mehr als zwei Jahren in Gebieten, in denen wir glauben, ein besseres Angebot als der Anbieter vor Ort machen zu können", sagt Leikop und räumt ein: "Anfänglich gab es bei dieser Vertriebsart ein paar Kinderkrankheiten, aber die sind ausgemerzt. Beschwerden so wie in Hitdorf sind schon seit langem nicht mehr bei uns eingegangen."

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Ärger gab es für den Essener Stromriesen etwa Anfang 2012 wegen der Hausbesuche. Da hatten etwa die Stadtwerke Bochum gegen RWE geklagt: "Das Bochumer Landgericht folgte dem Antrag der Stadtwerke Bochum und stoppte das wettbewerbswidrige Verhalten bei den Haustürgeschäften der RWE-Vertriebsmitarbeiter durch eine einstweilige Verfügung", schreiben die Stadtwerke Bochum auf ihrer Internetseite. Damals sollen, so der Vorwurf, RWE-Vertriebsmitarbeiter an Haustüren gesagt haben: "Man behauptete der Vorlieferant der Stadtwerke Bochum zu sein und aus diesem Grund den Strom zu günstigeren Konditionen anbieten zu können, da der Aufschlag der Stadtwerke entfalle. Weitere falsche Tatsachen, dass beispielsweise der Strompreis nur gesenkt werde, wenn man zu RWE wechselte, wurden angeführt, um die Kunden zu einem schnellen Vertragsabschluss zu überreden", heißt es dort weiter.

Die Energieversorgung Leverkusen (EVL) kennt den Haustürvertriebsweg des RWE-Konzerns in Leverkusen. "Wir können das nicht verhindern, begeistert sind wir natürlich nicht", sagt EVL-Chef Rolf Menzel und kann Ähnliches berichten wie die Stadtwerke Bochum: "Zwei Mal haben wir gegen RWE auf Unterlassung falscher Behauptungen vor dem Kölner Landgericht geklagt. Wir haben gewonnen." Die Vorfälle lägen drei, vier Monate zurück. Grundsätzlich warnt die EVL allgemein vor Haustürgeschäften. "Oft werden da Behauptungen aufgestellt, von denen die allermeisten bei genauerer Prüfung nicht stimmen", warnt Menzel die Verbraucher.

RWE-Vertrieb-AG-Sprecher Mario Leikop berichtet im RP-Gespräch, wie die Haustürbesuche generell ablaufen sollen: "Die Vertreter sind gut geschult, stellen sich für gewöhnlich vor und machen dann ein Angebot. Erst danach kann es sein, dass sie nach einer aktuellen Rechnung fragen", erläutert er. "So, wie es in Hitdorf offenbar passierte, solle das reguläre Vorgehen nicht laufen." RWE wolle den Fall überprüfen. Derweil merkte die Hitdorferin an: "Wenn die noch mal kommen, erteile ich ihnen Hausverbot."

(RP)
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