Hitdorf: Hitdorf – eine Stadt auf Zeit

Hitdorf: Hitdorf – eine Stadt auf Zeit

Zum 150. Jahrestag der Verleihung der Stadtrechte hat der Heimatverein Hitdorf eine Ausstellung über die Jahre als eigenständige Kommune zusammengetragen. Heute Abend wird die Schau im Türmchen Am Werth eröffnet.

Mehrere Monate war das winzige Hitdorfer Heimatmuseum geschlossen, weil die Außenanlage neu gestaltet wurde. Heute ist Wiedereröffnung mit einer Ausstellung, die auf die letzten 150 Jahre zurückschaut. Genau genommen auf die Zeit, in Hitdorf Stadtrechte hatte: Die begann 1857 und endete 1960 mit der Eingemeindung nach Monheim. Durch die Gebietsreform 1975 wurde die einstige Stadt am Rhein Teil von Leverkusen.

Ohne Murren, ja sogar einstimmig, hat der Rat im September 1959 die Zusammenlegung mit Monheim beschlossen. Ganze vier Minuten, von 18.12 Uhr bis 18.16 Uhr, hat diese kürzeste aller Ratssitzungen gedauert. So kann man in alten Zeitungsberichten nachlesen, die Bernd Bilitzki vergrößert und für die Ausstellung gerahmt hat. Zusammen mit seiner Frau Marianne Fuchs-Bilitzki hat er Dokumente, Bücher und Materialien der Stadtarchive in Monheim, Solingen und Leverkusen gesichtet, um aus der Fülle von Informationen ein Extrakt zu machen.

Aus jedem Jahrzehnt der Geschichte Hitdorfs als Stadt wurden wichtige Ereignisse und Veränderungen mit Jahreszahl aufgelistet. Unterbrochen durch die Fotos, sofern vorhanden, der insgesamt 17 Bürgermeister. An den Anfang der Ausstellung setzte man eine kleine Beschreibung des Weltgeschehens um 1857 in politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Sicht. Damals war Hitdorf wichtiger Umschlageplatz für den sich ausweitenden Handel. Hier wurden die Waren aus dem Bergischen Land verschifft und umgekehrt die Versorgung angelandet. Außerdem beherbergte die junge Stadt am Rhein wichtige Fabriken. Es gab mehrere Bierbrauereien und Tabakfabriken, außerdem war der Ort für Zündholzherstellung bekannt.

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Als „Hitdorfer Dreiklang von „Bier, Tabak und Zündhölzern“ ging die Ära in die Geschichte ein. Die neue Bronzeskulptur vor dem Museum, die der Heimatverein zum 150-jährigen Stadtjubiläum angeschafft hat, vereint alles. Die Ausstellung zeigt neben viel Text auch alte Fotos. Darunter bisher unbekannte, weist der Heimatvereins-Vorsitzende Hans Kürten auf zwei Aufnahmen der Kriegsjahre hin. Die eine zeigt eine Pionierbrücke über den Rhein, gebaut von der deutschen Wehrmacht, die andere einen Dampfer der Köln-Düsseldorfer-Gesellschaft, die den Hitdorfer Hafen als Liegeplatz nutzten.

Interessantes ist über die Bürgermeister zu erfahren, angefangen vom ersten, Winand Blank, bis zum letzten, Willi Broscheid. Am längsten war Dr. Franz Müller im Amt, der in 28 Jahren Dienstzeit vieles bewirkte: darunter der Hafenausbau und die Kleinbahn. 1933 katapultierten ihn die Nazis aus seinem langjährigen Amt. Mit Otto Förster und Lorenz Freiburg folgten dann zwei „Linientreue“. Die kürzeste Amtszeit dauerte gerade einen Monat: Julius Busch war von den Amerikanern von der Straße weg verpflichtet worden. Dann stellte sich heraus, dass Busch Mitglied der NSDAP gewesen war. Er trat freiwillig zurück und übergab an Josef Görgens.

(RP)
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