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Hitchcock-Lesung: Nuancen des Schauderns im Forum Leverkusen

Gänsehaut bei Hitchcock-Lesung in Leverkusen : Nuancen des Schauderns im Forum

Der Gruselfaktor war inbegriffen: Jens Wawrczeck erzeugte bei seinen Zuhörern Gänsehaut mit seiner eindrucksvollen szenischen Lesung der Originalgeschichte von Hitchcocks „Die Vögel“.

Es ist nichts Beruhigendes in der augenblicklichen Stille. Es ist im Gegenteil eine beunruhigende Pause zwischen den dramatischen Ereignissen, die sich mit jeder weiteren Phase steigern. Beunruhigend nicht nur, weil die Besucher von Kulturstadtlev, die im großen Forum-Saal weit verteilt sitzen, bereits wissen, wohin die Reise geht. Schließlich kennt wirklich jeder den Hitchcock-Klassiker „Die Vögel“, aus dem anfangs zur Erinnerung einige Szenen gezeigt wurden. Dann stand Jens Wawrczeck ganz alleine am Mikrofon, um das spannende Horror-Szenario alleine mit den Möglichkeiten seiner Sprechstimme heraufzubeschwören.

Die griff nach ahnungsvoller Ruhepause die Spannungsfäden wieder auf, wenn er beschrieb, wie sich Scharen verschiedener Vögel auf Feldern und Wasser sammeln und Kraft zu tanken schienen für den nächsten Angriff auf die Menschen, die ihre Häuser verbarrikadieren und letztlich wenig ausrichten können gegen die Übermacht der gefiederten Massen.

Dazu hörte man noch vorsichtiges Flügelflattern und den gespenstisch-unheilvollen sythetischen Ton eines Theremin, jenes elektronischen Musikinstruments, das berührungslos gespielt wird und dabei direkt Töne erzeugt. Nicht im Verborgenen wie beim Hörspiel, sondern für alle sichtbar an der Bühnenseite, wo Jan-Peter Pflug sein Geräusche-Equipment aufgebaut hatte. Wenn man sehen kann, wenn er wie mit Geisterhänden das Theremin zum Klingen bringt, jagt der Anblick zusätzliche Schauer über den Rücken.

„Ich brenne für die Filme von Alfred Hitchcock“, bekannte Wawrczeck zu Beginn seines Gastspiels „Hitch&Ich“. Er erinnerte an eindrucksvolle Szenen mehrerer Erfolgsklassiker, die sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben. Zum Beispiel „Psycho“, der vermutlich das Duschverhalten ganzer Generationen beeinflusst habe. „Die Vögel“ kam 1963 in die Kinos und werde heute noch zu den 15 beunruhigendsten Filmen gezählt, die je gedreht worden sind. Es gab mehrere Neuverfilmungen, allesamt Flops. Er gehört zu den 42 von rund 50 Hitchcock-Thrillern, die auf einer literarischen Vorlage basieren. In diesem Fall ist es die gleichnamige Kurzgeschichte von Daphne du Maurier, die der Filmemacher an die kalifornische US-Küste verlegte und als Hauptfigur eine hübsche Blondine wählte.

Jens Wawrczeck, dessen Stimme vielen aus der Hitchcock-Hörspielserie „Die drei ???“ bekannt ist, hat sich bei der Lesung für das Original entschieden. Das spielt in einer einsamen Küstenregion Cornwalls, wo Farmarbeiter Nat Hocken mit Frau und zwei Kindern ein Häuschen bewohnt, das von zunehmend aggressiver angreifenden Vogelschwärmen attackiert wird. Fast sachlich beschrieb Wawrczeck die Maßnahmen, die Nat ergreift, um sich und seine Familie zu schützen und die Kinder dabei möglichst zu beruhigen. Ganz natürlich färbte er seine Stimme, um die Personen in den Dialogen zu unterscheiden. Und es waren vor allem die kleinen, feinen Nuancen, die seine Zuhörer erschaudern ließen.