Leverkusen: Hella Berent auf der Suche nach der Wahrheit

Leverkusen: Hella Berent auf der Suche nach der Wahrheit

Der Kunstverein Schloss Morsbroich stellt Zeichnungen und Skulpturen der Kölner Künstlerin aus. Inklusive Übersetzungskarte.

Das hat es auch noch nicht auf Schloss Morsbroich gegeben: Die Zeichnungen von Hella Berent hängen nicht einfach nur an, sie sind teilweise sogar direkt auf die Wände gemalt. Denn Materie ist für die in Köln lebende Malerin ein zentraler Aspekt ihrer Kunst und Materie stellt für sie eben auch eine Wand dar. Die Zeichnungen sind Teil ihrer Ausstellung "Autobiografie I", die ab sofort in den Räumen des Leverkusener Kunstvereins zu sehen ist. Über die Bemalung der Wände freut sich Susanne Wedewer-Pampus vom Verein besonders. "Netterweise hat uns ein Malerbetrieb angeboten, hinterher kostenlos zu streichen", erzählt sie lachend. Selbst hätte der Verein dafür nämlich kein Budget gehabt.

Die Lieblingsfarbe von Hella Berent ist beim Blick in den Raum nicht schwer zu erraten, all ihre Zeichnungen sind geprägt von changierenden Blautönen. Und auch die Skulpturen, die sie entworfen hat, haben eine ähnliche Farbgebung. An manchen der vasenförmigen Kunstwerke finden sich außerdem arabische Schriftzeichen. "Das sind Auszüge aus Gedichten, die ich geschrieben habe", erläutert Berent.

Auf einer Karte, die für Besucher am Eingang ausliegt, stehen die jeweiligen Übersetzungen. Die brauche man aber gar nicht unbedingt. "Wir wollen immer sofort wissen, was das heißt", sagt die Künstlerin und lacht. Aber: Wenn Besucher die Kaligrafie nicht lesen könnten, bekomme sie gerade dadurch eine "linienhafte Ästhetik". Die Linie an sich ist so etwas wie ein Leitmotiv in dem Schaffen der gebürtigen Bremerin. "Sie erzeugen eine unglaubliche Bewegung in ihren Bildern", beschreibt auch Wedewer-Pampus ihren Eindruck der Berentschen Linienführung. Die ausgestellten Bilder und Skulpturen werden durch den siebenminütigen Film "Foryears" ergänzt, der, so Hella Berent, eine Collage aus Videoausschnitten, Bildern und Ton darstellt. Die Künstlerin spielt damit, Bilder ineinanderfließen zu lassen und ganz bewusst mit Akustik und Stille zu arbeiten. Die Bilder sprechen hier teilweise für sich - wie das eines alten Mannes, der in einer vollkommen zerstörten Wohnung vor seinem noch intakten Plattenspieler sitzt.

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Berent hat ein aufregendes Leben hinter sich. Sie hat an verschiedenen Kunsthochschulen studiert, hat Skulpturen in den Niederlanden entworfen, war für Stipendien in Rom und Florenz. Und immer wieder unternahm sie Reisen nach Ägypten, Iran und Marokko, die ihre Kunst prägten.

Die Künstlerin nutzt sie als Kanal, um ihre Eindrücke zu verarbeiten. "Es geht letztendlich um die Suche nach Wahrheit", betont Berent. Dazu zähle auch die Auseinandersetzung mit Existenz und der Gesellschaft.

(joe)
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