Hardy Rittner im Erholungshaus in Leverkusen

Hardy Rittner im Erholungshaus : Konzert zwischen Musik und Stille

Hardy Rittner trat im Erholungshaus auf und begeisterte das Publikum mit Werken von Busoni und Tarnow.

Zu einem kurzen aber intensiven Klavierkonzert entführte Pianist Hardy Rittner die rund 100 Gäste im Erholungshaus. Der alte Bekannte der Bayer Kultur, ehemaliger stART-Künstler und zweifacher Echo-Preisträger, löste mit Virtuosität und einem feinen musikalischen Geschmack begeisterte Beifallsstürme aus.

Eine große Bühne, ein ernster, tief konzentrierter Mann und ein nachtschwarzer Flügel tauchten im hellen Rampenlicht des großen Saals des Erholungshauses auf. An der Seite sorgte allein bunter Blumenschmuck aus Rosen und Gerbera für einen optischen Farbakzent. Hardy Rittner ließ keine Worte, sondern die Musik für ihn reden; einen heute preisgekrönten Pianisten, der an ebendieser Stelle, vor zehn Jahren schon mal als besonderer Musiker in Leverkusen entdeckt wurde.

Unter dem anerkennenden Begrüßungsbeifall des Publikums setzte sich der studierte Pianist an den Flügel und spielte, als ob es ihm aus seinem tiefsten Inneren entspringe, Ferruccio Busonis „Fantasia“. Was Rittner dabei besonders auskostete und was Musikern ein feines Gespür und eine außerordentliche Musikalität abverlangt, sind die Pausen zwischen den abklingenden Noten, wenn es leise wird. Sie halten die Spannung, lassen die Melodien wirken und ködern den in Trance schwebenden Zuhörer. War das alles? Kommt da noch mehr? Ruhe im Ohr, Unruhe im Kopf.

Eine Viertelstunde spielte sich Rittner diese musikalische Fantasie aus der Seele, elegant, schwungvoll, gekonnt, und beendete seinen Vortrag gebeugt, mit einem befriedigten Lächeln. Das Publikum, das gebannt seinen Fingern und Tonleitern gefolgt war, prämierten Rittner mit Applaus. Der Pianist stand auf, verbeugte sich und trat hinter die Bühne. Einen Atemzug lang. Dann war er wieder da. „Das nächste Stück beschäftigt sich mit dem Zweiten Weltkrieg“, sagte der Künstler ohne Vorankündigung. Ein Gebet im Bombenhagel hatte Komponist Christopher Tarnow in seinem fünfteiligen Werk verarbeitet. „Wenn es besonders laut und turbulent wird, fallen die Bomben und man glaubt nicht, das hier ein Gebet zu hören ist“, führte Rittner seine gespannten Zuhörer ins nächste Vorspiel ein, ehe er sich erneut an den Flügel setzte.

Unter den Anwesenden schlossen viele die Augen, lehnten sich zurück um die Musik wirken zu lassen, um sie Bilder malen zu lassen. Und in der Tat zeichneten die Noten vor dem inneren Auge zunächst eine ruhige Nacht, in der es auf einen Schlag grell, hektisch und laut wurde. Man konnte den Bomben beim Fallen zusehen, grelle Lichtblitze flackerten auf und mittendrin ein sich wiederholendes Gebet, dass immer schneller und lauter wurde, bis der Bombenhagel zu seinem Ende kam und sich die Musik, wie Staub, der langsam zu Boden fällt, verhallte und abklang.

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