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Halbes Jahr nach Flut in Leverkusen: Erste betroffene Läden öffnen

Eine Bilanz aus Leverkusen : Sechs Monate nach Flut: „Sind wieder da“

Es gibt nicht nur Flutwein. Flutbetten etwa bietet Dirk Fischer in Opladen an. Sein Laden gehört zu den ersten, die nach der Katastrophe und der langen Sanierung wieder öffnen können. Ebenso die Hubertus-Apotheke.

 In der Nacht zum 15. Juli traten die Wupper in Opladen und die Dhünn in Schlebusch über die Ufer. Nun, auf den Tag genau sechs Monate später, konnten die ersten Geschäfte wieder eröffnen. In Schlebusch hatten unter anderem das Modehaus Forst und die Bäckerei Kamps vorgelegt. Andere Unternehmen entlang der Bergischen Landstraße brauchen allerdings noch eine Weile. Thomas Ratte, stellvertretender Vorsitzender der Werbe- und Fördergemeinschaft (WFG) Schlebusch, der selbst mit zwei Projekten betroffen war, begründet das so: „Die Arbeiten ziehen sich in die Länge, weil Handwerker und Material gerade enorm stark begehrt sind.“

Von ähnlichen Schwierigkeiten wissen auch die Opladener Geschäftsinhaber zu berichten, die zuletzt offenbar mehr Glück hatten. Speziell zwei Kaufleute an der Düsseldorfer Straße. Zum einen konnte Dirk Fischer sein Cubiculum-Bettenfachgeschäft am Freitag wieder eröffnen. In den nächsten vier Wochen bietet er wegen des Wasserschadens teilweise Rabatte von bis zu 54 Prozent an. Fischer: „Obwohl der Laden schnell wieder gereinigt wurde, war alles aufgequollen und hatte nur noch Schrottwert.“ Aus der Not macht er nun eine Tugend. Zum Beispiel wurde Bettwäsche speziell gereinigt und wird reduziert angeboten. Einige Bettgestelle – so genannte Flutbetten – stehen ebenfalls zum Verkauf, nachdem sie vom Schlamm befreit und vom Schreiner aufgearbeitet wurden. „Wir lieben Opladen und bekennen uns zu dem Standort. Und wir sind sehr glücklich, endlich wieder arbeiten zu können“, versichert der 56-jährige Kaufmann aus Opladen.

 Dirk Fischer hat Flutbetten aufarbeiten, Flutbettwäsche reinigen lassen. Er hat sein Cubiculum am Freitag wieder aufgemacht.
Dirk Fischer hat Flutbetten aufarbeiten, Flutbettwäsche reinigen lassen. Er hat sein Cubiculum am Freitag wieder aufgemacht. Foto: Miserius, Uwe (umi)
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Schräg gegenüber herrscht schon seit Donnerstag reger Betrieb. Dort haben Apothekerin Heike Beenen und ihr Ehemann Uwe Beenen den Betrieb in der Hubertusapotheke probeweise wieder aufgenommen. Die offizielle Eröffnung ist – ohne große Feier – für Montag geplant. V

Vor elf Jahren war das Ladenlokal komplett erneuert, eine Computeranlage vor einem Jahr angeschafft worden. Weil der gesamte Keller einschließlich Technik im Vorjahr unter Wasser stand, musste alles von Grund auf erneuert werden. Heike Beenen: „Wir mussten bis auf den Rohbauzustand zurückbauen.“ Nach Estrich, Fußbodenheizung und Fliesen kamen Möbel und andere Aufbauten, handgefertigt vom Schreiner. Nun präsentiert sich die Apotheke zwar unverändert in den Farben weinrot und silbergrau. Schließlich sollte das Geschäft wieder erkennbar bleiben. Doch andere Details sind neu. Zum Beispiel die Leverkusener Skyline oberhalb der Regale. „Insgesamt haben wir versucht, mehr Emotionen und Atmosphäre in die Apotheke zu bringen“, erläuterte Uwe Beenen, der viele Kunden immer wieder persönlich begrüßt und ihnen strahlend zuruft: „Wir sind wieder da.“

Auch das Raumkonzept wurde angepasst und bietet als Ergebnis der bisherigen Erfahrungen ab sofort mehr Platz in den hinteren Bereichen von Warenwirtschaft sowie einige Sitzecken im Ladenlokal. Das Testzentrum wurde aus dem bisherigen Provisorium verlegt. Besonders stolz sind die Inhaber auf die neue Kinderspielecke. Von der Wand lacht dort das Konterfei des kleinen Uwe Beenen entgegen. Heike Beenen hat das Foto aus dem Familienalbum ihrer Schwiegermutter gerade noch rechtzeitig gerettet, bevor es ebenfalls in den Fluten versank. „Uwe ist und bleibt das Herz und die Seele der alten Beenschen Familienapotheke“, nennt sie als Grund dafür.

Die größten Veränderungen sind allerdings im Zusammenhang mit dem elektronischen Rezept geschehen. Zum einen gibt es nun eine Abholkasse, damit Menschen nicht lange warten müssen, um die bestellten Waren abholen zu können. Zum anderen ist ein 24-Stunden-Terminal ähnlich einer Packstation installiert worden. „Meines Wissens sind wir die ersten in Leverkusen mit diesem Angebot“, betont Heike Beenen. Sollten Bestellungen nicht umgehend zur Verfügung stehen, können sie im Geschäft rund um die Uhr mit Hilfe einer Pin-Nummer abgeholt werden. Selbstverständlich würden Medikamente auch weiterhin nach Hause geliefert.