Leverkusen: Haie in Kenia, Hechte im Wiembach

Leverkusen: Haie in Kenia, Hechte im Wiembach

Fischen ist Heinz-Dieter Wilberts' große Leidenschaft. Egal, ob in Mexiko, in Kenia oder am Opladener Wiembach-Weiher.

Angelsport ist für Heinz-Dieter Wilberts weit mehr, als Fischfang mit Hilfe von mehr oder weniger teurer Ausrüstung. Hinter diesem Hobby verbirgt sich für ihn so etwas wie eine Philosophie. Seit 40 Jahren hat sich der 54-jährige Opladener dem Steckenpferd der Petrijünger verschrieben. "Das Hobby ist einfach grandios", sagt er.

Die Leidenschaft begann in der Kindheit. Erste Erfolge verzeichnete er in den Ferien bei den Großeltern im Emsland. Damals habe er noch "schwarz geangelt", gibt der Kundendiensttechniker der Firma Boddenberg freimütig zu. Als 14-Jähriger trat er in die Jugendgruppe des Angelsportvereins ASV Opladen ein. Auch, weil der Verein, in dem er seit sechs Jahren den Vorsitz hat, die Genehmigung für drei Gewässer in Leverkusen, einen See in Langenfeld, außerdem die Flüsse Wupper und Wiembach besitzt.

Erst seit Karfreitag darf im 0,8 Hektar großen Opladener Weiher wieder geangelt werden. Im Winter haben Aal, Barsch, Hecht und Co. eine Schonfrist. Genaue Termine legt der 140 Mitglieder starke Verein fest, der sich auch um die Pflege des Wassers kümmert und sich dazu mit dem Verkehrs- und Verschönerungsverein Opladen abspricht. Wilberts: "Der Weiher ist ein Kleinod für alle, die Natur genießen möchten." Leider gebe es immer noch zu viele Leute, die sich wenig bis gar nicht darum scherten. Die einen ließen ihren Müll achtlos an den Ufern liegen. Die anderen fütterten Enten, obwohl der ASV drei Verbotsschilder ins Wasser gestellt habe. Im Sommer sei es besonders schlimm: Brot und schimmelige Lebensmittel verrotten unter Wasser und entziehen dem Wasser Sauerstoff. Fische ersticken, wenn sie nicht genug davon bekommen. Insofern ist die Wasserfontäne - aktuell ist sie defekt - nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch Mittel zum Zweck.

Das Frühjahrist für Angler besonders reizvoll. Nach dem Winter - Fische beschränken ihren Stoffwechsel dann auf ein Minimum, senken ihre Körpertemperatur ab und verharren fast unbeweglich unter Wasser - werden sie langsam wieder agiler. Frühmorgens sind sie ohnehin besonders aktiv. Die Weisheit "Der frühe Vogel fängt den Wurm" gilt also auch für Angler. Allerdings ebenso für die "Konkurrenz". Dazu zählt in letzter Zeit besonders der Kormoran. "Der bringt mich zur Weißglut", erzählt Wilberts, der am Weiher auch schon Eisvogel und Bisamratten beobachtet hat. "Er pickt Fische oft nur an und lässt sie verletzt zurück." Tierquälerei ist bei Anglern verpönt. Damit das nicht passiert, lernen sie zuerst, einen Fisch waidgerecht zu töten. "Wer sich dem Angelsport verschreibt, liebt die Ruhe und die Natur", betont Wilberts, der sein Hobby nicht nur zur Entspannung, sondern auch unter sportlichem Aspekt betreibt. Rund 40 Preise und Pokale stehen in seiner Vitrine. Einige hat er aus dem Ausland mitgebracht. Beim Big-Game-Fischen - auch bekannt als Offshore-Sportfischen - in Mexiko hat er Thunfisch und Marlin, in Kenia sogar schon Haie gefangen. Die hat er aber wieder ins Wasser gelassen. "Es geht vor allem um den Angelspaß, weniger um das Töten von Fischen", erklärt Wilberts. "Angler sind die letzten Sammler und Jäger." Einmal ist ihm sogar ein Lachs ins Netz gegangen. "Man sagt, 1000 Würfe sind nötig, bis ein Lachs beißt. Ich habe die Leine etwa 400 Mal geworfen", schildert Wilberts - und das ist kein Anglerlatein, auch wenn das im Allgemeinen gerne erzählt wird und die Fische immer größer werden. Nach solchen Auslandserlebnissen an den Opladener Teich zurückzukehren, mag einigen frustrierend erscheinen. Doch Wilberts liebt die Gewässer seiner Heimat. Selbst in Langenfeld habe er schon zwei Meter lange Welse aus dem Wasser geholt. "Zum Fischen und Angeln muss man nicht unbedingt in die Welt fahren."

(RP)