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Haftsstrafe für „Drogen-Gärtner“ aus Leverkusen

Plantage im alten Aldi-Keller : Haftsstrafe für „Drogen-Gärtner“ aus Leverkusen

Ein Leverkusener (24) und sein Komplize (22) hatten sich wegen Drogenhandels vor dem Wuppertaler Landgericht zu verantworten. Nun müssen beide für drei Jahre und sechs Monate in Haft.

 Für drei Jahre und sechs Monate in Haft? Und das alles nur, weil sie zwei Wochen lang ein paar Pflanzen gegossen haben? Also gut, ein paar Joints haben sie auch noch geraucht. Am Ende will der 24-jährige aus Leverkusen nur 200 Euro für den Gärtner-Job in der Tasche gehabt haben. Bei dem mitangeklagten Albaner (22) ohne festen Wohnsitz dürften es nicht viel mehr gewesen sein. Am Ende half es alles nichts – und eigentlich hätte die wegen Drogenhandels verhängte Strafe noch viel höher ausfallen können. Das Gericht hielt den beiden „Gärtnern“ zugute, dass sie umfangreiche Geständnisse abgelegt hatten. Über den eigentlichen Auftraggeber, der sie an einem Wuppertaler Bahnhof für die Plantagen-Pflege angeheuert haben soll, wollten die Angeklagten nichts sagen – sie vermuten den Mann im Rocker-Milieu.

Mehr als 1000 Cannabispflanzen mit einem Trockengewicht zwölf Kilogramm? Das war am Ende dann doch zu viel, um aus der Sache glimpflich oder möglicherweise sogar mit einer Bewährungsstrafe herauszukommen. Dabei waren der Leverkusener und sein Komplize zwar die letzten, aber vermutlich nicht die ersten, die im Keller einer ehemaligen Aldi-Filiale in Wuppertal zur Gießkanne gegriffen haben. Schaut man auf die vom Gericht präsentierten Fotos vom Tatort, kann von Gießen ohnehin keine Rede mehr sein. Da ging es wohl eher ums Bewässern – durch den Keller hindurch waren Wasserleitungen verlegt. Für die beiden Angeklagten war es in der Zeit vor ihrem „Gärtner-Job“ nicht gut gelaufen. Der Leverkusener hatte gerade seinen Job bei einer Zeitarbeitsfirma verloren, der jüngere Mittäter hatte zur Tatzeit obdachlos in Leverkusen im Bahnhofsmilieu herumgelungert. Die Angeklagten scheint Geldnot geplagt zu haben, als sie im Herbst 2019 in der Plantage einzogen. Sie sollen dort für mehrere Wochen gewohnt haben – unter Wohnen dürfte man sich üblicherweise jedoch etwas anderes vorstellen. Gehaust - so ließe sich der Aufenthalt zwischen Mülltüten, Bewässerungsleitungen und Elektrokabeln wohl eher umschreiben. Irgendwann hätten sie draußen vor der Türe laute Geräusche gehört und den Einbruch einer rivalisierenden Rocker-Bande gefürchtet. Bei der Flucht durch ein Garagentor waren sie kurz darauf Polizeibeamten in die Arme gelaufen. Die waren von einer Zivilstreife hinzu gebeten worden, nachdem man im Keller der ehemaligen Aldi-Filiale eine Cannabis-Plantage vermutet hatte. Die Beamten sollen zuvor mit dem Versuch gescheitert sein, die Tür mit einer Ramme aufzubrechen. Beim Öffnen des Garagentors durch die flüchtenden Angeklagten sei ihnen dann tropische Hitze und der typische Cannabis-Geruch entgegengeschlagen.