Habitatbäume in Leverkusen bieten Schutz für Fledermaus, Vogel und Co.

Habitatbäume in Leverkusen : Schutz für Fledermaus, Vogel und Co.

Die Stadt kennzeichnet Habitatbäume, um auf ihre Bedeutung hinzuweisen.

Sie sieht in der Tat etwas zerrupft aus, die Rosskastanie an der Rheinstraße in Hitdorf. Das liegt nicht nur daran, dass sie aktuell ihre Blätter abgeworfen hat. Die Äste sind gestutzt, und demnächst werden sie noch weiter gekürzt. „Wir werden die Krone weiter reduzieren, damit sie dem Wind keine Angriffsfläche bieten“ bestätigt  Ulrich Hammer, stellvertretender fachbereichslieter Stadtgrün. Gefällt wird der Baum aber nicht, denn die stolze, etwa 100 Jahre alte Rosskastanie ist ein sogenannter Habitatbaum. Und als solcher ist die Kastanie jetzt mit einem kleinen Schild versehen worden, der auf ihre wichtige Funktion für den Artenschutz hinweist.

Zu sehen sind auf diesem Schild ein Vogel und eine Fledermaus neben einem Baum, sie stehen stellvertretend für all die Lebewesen, die solche Habitatbäume besiedeln können. Als Habitatbäume werden abgestorbene Bäume bezeichnet, auf den sich Vögel, Insekten, Fledermäuse, Flechten oder Moose angesiedelt haben. In der Hitdorfer Kastanie haben sich beispielsweise Wildbienen angesiedelt, in der Höhle eines Baumes in Reuschenberg wohnt eine Siebenschläfer-Familie. Insekten lieben kleine Risse in den Baumrinden, diese Insekten locken wiederum viele Vögel an. Und Bakterien und Pilze, die das Totholz des Baumes langsam zersetzen, bieten wiederum Nahrung für die Insekten.

50 Plaketten hat die Stadt angeschafft, um künftig solche Bäume zu kennzeichnen. „Das machen wir in exponierten Lagen, wo die Leute uns sonst fragen würden, warum wir die Bäume nicht fällen“, erläutert Ulrich Hammer. Vier Bäume haben die Mitarbeiter vom Stadtgrün bereits gekennzeichnet, zwölf weitere haben sie noch auf ihrer Liste. Zudem werden die Markierungen im Baumkataster der Stadt eingetragen. 11.000 Straßenbäume und rund 3500 Friedhofsbäume sind in diesem Kataster mit Pflanzdatum, Kontrollen, Schäden und Maßnahmen aufgelistet.

Die Habitatbäume werden wie alle anderen Bäume regelmäßig kontrolliert. Denn sobald die Standsicherheit nicht mehr gegeben ist, müssen sie gefällt werden. „Doch bis dahin vergehen noch einige Jahre“, versichert Hammer mit Blick auf die imposante Kastanie. Und fügt hinzu: „Wir haben bei jeder Fällung eines Baumes den Artenschutz im Blick und schauen, ob in dem Baum ein Gelege oder eine Bruthöhle ist.“ In manchen Fällen wurden sogar schon ganze Baumkronen umgesiedelt und in einen anderen Baum verpflanzt, um Tieren Brutplätze zu bieten. „Wir versuchen den Eingriff in die Natur so gering wie möglich zu halten“, betont Hammer.

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