Gutachten empfiehlt Klinikum-Verbund mit Solingen

Städtische Kliniken Leverkusen und Solingen : Gutachten empfiehlt Klinikum-Verbund

Mittel- bis langfristig soll durch einen Verbund mit dem Klinikum Solingen die Wettbewerbs- und Finanzierungsfähigkeit des Hauses gesichert werden. Die Entscheidung ist für Herbst geplant.

Das Klinikum Leverkusen steht einen großen Schritt näher am Verbund mit dem ebenfalls städtischen Klinikum Solingen. Im September unterzeichneten die Häuser und Städte eine Absichtserklärung, gaben ein Gutachten zur Machbarkeit in Auftrag. Jetzt liegt es vor.

Das Ergebnis sagt, dass ein solcher Verbund für beide Häuser Stärkungen bringt. Das mögliche Verbundkonzept  fußt auf zwei Bausteinen: a)  Durch medizinische Leistungen werden zusätzliche Erlöse von jährlich rund drei Mio. Euro erwartet. b) Parallel sollen auf der Kostenseite langfristige Einsparungen in den sekundären und tertiären Bereichen (Sekundärbereich –  etwa  Radiologie, Pathologie, Labor und so weiter, Tertiärbereich – Verwaltung, Technik, Hauswirtschaft) erzielt werden. In Zahlen: rund 3,2 Mio. Euro pro Jahr. Aber: Bis die Pläne umgesetzt sind, wird es Jahre dauern.

Der Prüfauftrag Untersucht wurde, welche Synergien ein Verbund ergibt, um die Krankenhausstrukturen zu stärken. Dabei mussten die Gutachter berücksichtigen, dass Arbeitnehmerrechte gewahrt bleiben. Heißt: Die Gründung von neuen Gesellschaften ohne Tarif war ausgeschlossen. In einem ersten Schritt wurden ein medizinisches, ein wirtschaftliches und ein rechtliches Zielbild entwickelt, orientiert an der aktuellen und künftigen Wettbewerbssituation der beiden städtischen Krankenhäuser.

Die Wachstumspotenziale sehen die Gutachter vor allem in den Gebieten, die zwischen den beiden Städten, aber bisher beim Thema gutes medizinisches Versorgungsangebot nicht im Fokus der beiden Häuser liegen. Zudem sollen die Einrichtungen „medizinisch herausragende Schwerpunkte“ bilden, um „so das jeweilige klinische Angebot qualitativ zu steigern“, empfehlen die Prüfer, die dafür einen Zeitraum von fünf bis sechs Jahren ansetzen. Die Häuser sollen ihre Rolle als Maximalversorger behalten. Möglichkeiten für zusätzliche Leistungen sehen die Berater etwa durch die Bildung eines onkologischen Verbundzentrums mit Versorgung aller onkologischen Erkrankungen und durch den Ausbau robotergestützter Operationen. Eine Vision, die unter anderem auch Nico Schäfer, Chefarzt der Allgemein-, Visceral- und Thoraxchirurgie, vor einiger Zeit zur Zukunft des Klinikums nannte. Zudem sollte die Zusammenarbeit wie im Bereich der Perinatalmedizin weiter ausgebaut werden, raten die Prüfer.

Die Rechtsform Sie schlagen eine Holding vor, an der beide Städte zu je 50 Prozent beteiligt sind. Sie soll mit 94 Prozent an den Klinken beteiligt sein. Die übrigen sechs bleiben je im städtischen Besitz. Dies soll den Städten Sonderrechte einräumen, „dazu  gehört unter anderem das jeweilige Vermögen sowie vorhandene Schulden. Somit wird zwar eine wirtschaftliche Einheit gebildet, aber beide Krankenhausstandorte bleiben trotzdem selbständig und kommunal“, heißt es von der Klinikum-Geschäftsführung.

Der Wettbewerb Beide Häuser stehen unter finanziellem Druck und dem der Wettbewerber, darunter Verbünde wie Kplus (dazu gehören Remigius- und Josef-Krankenhaus). Ohne Wachstum und gleichzeitige Einsparungen seien Wettbewerbs- und Investitionsfähigkeit auf Dauer ernsthaft gefährdet, heißt es vom Klinikum. „Verbundbildungen sind das Gegenmodell zur Privatisierung im Krankenhauswesen“, betont Geschäftsführer Hans-Peter Zimmermann. „Wir müssen uns der Herausforderung stellen, und wir sehen jetzt einen guten Weg, wie unsere beiden kommunalen Kliniken erfolgreich in die nächsten Jahrzehnte gehen können.“

Die Entscheidung Der Prüfbericht durchläuft nun die zuständigen Stellen, zudem braucht es ein medizinisches Detailkonzept und Prüfungen etwa in Bezug auf Steuer- und Kartellrecht. Die politische Entscheidung über einen Verbund soll im Herbst fallen.

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