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Leverkusen: Großfamilie: Kripo spricht von Mafia-Struktur

Leverkusen : Großfamilie: Kripo spricht von Mafia-Struktur

Bei den Dreharbeiten zu seiner Fernsehreportage hat Roman Lehberger einiges aushalten müssen. Ein Angeklagter schlug ihm vor dem Gerichtssaal auf die Kamera, ein weibliches Familienmitglied trat ihm gegen die Autotür. Lehberger ist Fernsehjournalist und hat für Spiegel.TV die, wie er sagt, mafiösen Strukturen einer Leverkusener Großfamilie aufzudecken versucht.

Es geht um Enkeltricks, Teppichbetrug bis hin zu Fällen, in denen Senioren über lange Zeiträume hinweg immer wieder zu Hause aufgesucht wurden, um ihnen größere Geldbeträge abzupressen. All das sendete der Hamburger Journalist am Wochenende in einer Spiegel.TV-Reportage.

Der Beitrag blieb nicht ohne Resonanz: "Wir haben zahlreiche Mails bekommen, ganz überwiegend positiv", sagte Lehberger am Montag: "Viele Leverkusener scheinen erfreut, dass sich der Thematik in größerem Rahmen angenommen wurde." Dem 29-Jährigen geht es vor allem darum, "deutlich zu machen, dass wir es in diesem Fall — völlig unabhängig vom ethnischen Hintergrund — mit organisierter Kriminalität zu tun haben. Was zählt, ist die Clanzugehörigkeit, wie in anderen mafiösen Strukturen auch."

Das versucht Lehberger unter anderem zu belegen, indem er Beispiele für bundesweite kriminelle Aktivitäten des Leverkusener Familienclans liefert, die sich demnach bis Hamburg erstrecken.

Bei der Polizei habe sich diese Erkenntnis offensichtlich auch durchgesetzt. Die Kripo spreche offen davon, und sie versuche, sich darauf einzustellen: "die Justiz wohl eher noch nicht", glaubt Lehberger. zumindest legten diverse Urteile diesen Schluss nahe: "Vorbestrafte Angeklagte haben teils grinsend den Gerichtssaal verlassen, nachdem sie zuvor Deals mit der Staatsanwaltschaft abgeschlossen hatten."

Ein eher schwaches Bild gibt dem Spiegel-Mann zufolge in dem TV-Beitrag Leverkusens Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn ab. Ein Teil des Familien-Clans bezieht Hartz-IV-Leistungen, gleichzeitig parken dicke Karossen vor der Tür. Viele Fahrzeuge seien auf Dritte zugelassen und entzögen sich städtischem Einfluss, hat Buchhorn dem Journalisten gesagt. Im TV fügt er hinzu: "Diese Menschen haben eine andere Art der Lebensauffassung."

Für Lehberger heißt das: "Ich habe den Eindruck gewonnen, dass die Stadt eine gewisse Resignation im Umgang mit dieser Familie zeigt." Zudem hätten deren hartnäckige kleinkriminelle Aktivitäten ein weiteres Phänomen hervorgebracht: "Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Bürger in Wiesdorf manches Delikt inzwischen gar nicht mehr zur Anzeige bringen."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Maschen der Trickbetrüger

(RP)