Graffiti-Workshop : Junge Kunst aus der Dose

Im Jugendcafé Manfort greifen Kinder zur Spraydose und gestalten Graffiti ganz legal. Der Lionsclub Leverkusen bezahlt die Farbe.

Wer auf der Autobahn die Zeit findet und nach links und rechts schaut,  stellt mitunter fest, dass die Straßen von farbig besprühten  Wänden umgeben sind. Graffiti, wenn auch kunstvoll, sind in diesem Falle illegal. Um dieses Sprayen zu verhindern und zugleich Kindern einen leichten Einstieg in die Kunst zu ermöglichen, gibt es immer mehr legale Angebote mit der Spraydose.

So auch im Jugendcafé Manfort. Dort hatten sich Jungen und Mädchen im Alter von 7 bis 14 Jahren die Gesichtsmasken aufzogen und unter Anleitung von Kunstlehrer Carsten Klett die Dose geschüttelt. Dabei kamen viele bunte Kunstwerke heraus, sogar eine Wand im Inneren des Cafés durften die Kids völlig neu gestalten.

Zufrieden blickten Zoi und Lara auf ihr Bild, das bereits auf einer Staffelei zum Ansehen stand. Ein großes Herz ist darauf zu sehen. „Das ist für unsere Oma“, erklärten die jungen Geschwister. „Die macht immer so viel für uns – obwohl sie gar nicht so viel Geld hat.“ Das gesprühte Gemälde, das in einigen Stunden fertig war, erhalte die alte Dame schon bald als Geschenk.

Sowohl die Leinwand, die mit alten Bettlaken und einer Farbe grundiert wurden, als auch die Staffeleien hatten die Kinder selbst aufgebaut. Und obwohl die Gruppe von Alter und Herkunft sehr unterschiedlich war , verstanden sich die Kids wunderbar, berichtete Klett.

Über den Erfolg freute sich auch Iris Bich-Joppich. Die Koordinatorin des Projekts „Zusammen im Quartier – Kinder stärken“ erzählte, auch von anderen Einrichtungen seien Kinder vorbeigekommen. Die Teilnehmer in Zukunft weiter zu vernetzen sei ein Ziel. „Kunst verbindet eben“, urteilte Kollegin Anika Overath.

Dieses Ziel weiter voranzubringen und den Kursus fest zu etablieren, dabei sollen Gespräche mit der Theodor-Wuppermann-Schule helfen. Das regelmäßige Sprayen soll womöglich in einer AG an der Hauptschule in Manfort fortgesetzt werden. Diese stelle dann die Honorarkraft während das Café die Räume und das Equipment bietet, berichtete Bich-Joppich. Spruchreif sei da aber noch nichts.

Ohne finanzielle Hilfe hätte der Graffiti-Workshop  nicht stattfinden können. So sprang der Lions Club Leverkusen ein und entschied nach eine kurzen Gespräch unter sechs Köpfen, den Kurs für die Kinder zu ermöglichen   und die nötigen Dosen zu bezahlen. „Regelmäßig können wir das aber nicht machen – das tun wird generell nicht“, stellte Mitglied Manfred Hans klar.

Die siebenjährige Zoi und ihre fünf Jahre ältere Schwester sind jedenfalls froh, den Kursus belegt  zu haben. Und Oma, die sich das Kunstwerk alsbald in die Wohnung hängen darf, dann wohl sicher auch.