Gomann-Prozess: Das Opfer-Ehepaar hat ausgesagt

Leverkusen : Clan-Prozess: Betrogenes Ehepaar hat ausgesagt

Im Prozess gegen Michael G. („Don Mikel“), Junior-Oberhaupt einer stadtbekannten Leverkusener Großfamilie, haben Opfer ausgesagt.

„Mir geht es immer noch nicht gut. Mein Leben hat sich komplett verändert“, sagt die 68-jährige Zeugin vor der 17. Großen Strafkammer des Kölner Landgerichts aus. Auch ihr 72 Jahre alter Mann zeigte sich tief enttäuscht. Das Rentnerehepaar aus Frechen ist um über 940.000 Euro betrogen worden.

Beide sind Opfer von Michael G. („Don Mikel“), dem Junior-Oberhaupt der stadtbekannten Leverkusener Großfamilie. Er und drei weitere Angeklagte müssen sich wegen Betrugs und Geldwäsche im großen Stil vor Gericht verantworten. Zwei der Beschuldigten sitzen in Untersuchungshaft.

In der umfangreichen Anklage geht es um  undurchsichtige Immobiliengeschäfte (Geldwäsche) und um den Betrug an dem Frechener Ehepaar.

Mit der Einladung zu Reisen nach London, Kärnten oder ins Phantasialand verstand es Michael G., ein sehr enges Vertrauensverhältnis zu dem pensionierten Lehrer und dessen Frau aufzubauen. „Ich habe ihm voll vertraut“, sagt der Pädagoge. Warum er denn immer wieder den Geldforderungen von Don Mikel nachgekommen sei, wollte der Richter wissen. „Ich habe gehofft, dadurch das bereits gezahlte Geld zurückzubekommen.“

Deutlich wird das an dem Beispiel, das sich Don Mikel, der sich als Mikel Goldmann, Sohn eines in den USA tätigen jüdischen Bauunternehmens ausgab, ausgedacht hatte: Eine größere Überweisung aus den USA stand an. Aus steuerlichen Gründen müsse jedoch zuvor eine Sicherheit hinterlegt werden. Und schon war der Lehrer wieder eine größere Geldsumme los.

Der erste Kontakt ergab sich aus dem Verkauf von zwei Häusern in Frechen. Bei dem Notartermin kreuzte „Mikel Goldmann“ auf, aber ein Strohmann fungierte tatsächlich als Käufer. Dieser unterschrieb auch den notariell beglaubigten Kaufvertrag. Danach ging’s zum gemeinsamen Kaffee in die Rentner-Wohnung. Alles weitere entwickelte sich: Zunächst ging es um anteilige Mietzahlungen. Dann um noch zu reparierende Schäden, bis später sogar in die Wohnung der Rentner eingebrochen wurde.

Vor Gericht äußerte die Frau den Verdacht: „Es war sicherlich nicht Mikel selbst, aber er weiß, wer die Einbrecher waren.“ Denn die Langfinger seien sehr gezielt vorgegangen und wussten, wo sie etwas finden würden.

Als im November 2017 dann die Polizei bei dem Ehepaar erschien  und es von dem Betrug erfuhr, nahm das die Frau gesundheitlich so stark mit, dass sie einmal sogar in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt aufwachte. „Ich weiß nicht, wie ich da hingekommen bin.“ Sie habe über dreißig Kilogramm abgenommen und schlafe immer noch sehr schlecht.

Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt.

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