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Goman-Clan beerdigt einen „Paten“ - Leverkusener Tierpark geschlossen

Tierpark geschlossen, Parkplätze gesperrt : Leverkusener Clan beerdigt einen „Paten“ – Großeinsatz

Die Beerdigung eines ranghohen Mitglieds des Leverkusener Goman-Clans am Freitag hat Polizei und Ordnungsdienst in Alarmbereitschaft versetzt. Parkplätze und auch der benachbarte Reuschenberger Tierpark werden geschlossen. Es werden bis zu 500 Trauergäste erwartet.

Die auf Freitag verschobene Beerdigung eines ranghohen Mitglieds des Leverkusener Goman-Clans hat Auswirkungen auf die Umgebungen des Reuschenberger Friedhofs. So bleibt der benachbarte Tierpark an dem Tag geschlossen. Bereits bestehende Online-Buchungen für einen Besuch des Parks wurden zurückgenommen. Am Freitag vorgesehene Beerdigungen könnten jedoch stattfinden, hieß es aus dem Rathaus. Polizei und Ordnungsdienst bereiten sich unterdessen auf einen möglichen Großeinsatz vor.

Solche Einsätze hatte es bereits im Vorfeld gegeben, nachdem Rettungskräfte den später Verstorbenen und ein weiteres männliches Familienmitglied aus dem Anwesen der Großfamilie an der Wiesdorfer Kaiserstraße abgeholt und ins Klinikum transportiert hatten. Dass die Familie mit 32 dort lebenden Mitgliedern anschließend unter Quarantäne gestellt wurde, spricht dafür, dass einer oder beide Männer mit dem Coronavirus infiziert waren. Weitere Einsätze waren nötig geworden, nachdem sich rund 80 Familienmitglieder im Hof zu einer Trauerfeier versammelt hatten. Dass Mitarbeiter des Ordnungsdienstes sich zunächst nicht auf das Gelände der Familie gewagt und auch auf Polizeiunterstützung verzichtet hatten, löste weithin Kritik aus. Die Versammlung wurde aufgelöst, später wurden bei einem erneuten Einsatz, diesmal mit Polizeikräften, zahlreiche Bußgelder gegen Familienmitglieder verhängt.

Die Polizei hält ihre Bereitschaftskräfte für einen möglichen Einsatz vor, sagte ein Sprecher des Präsidiums. Die Stadtverwaltung lässt Parkplätze am Friedhof sperren. Die Beerdigung ist für 12 Uhr terminiert. Bereits vor vielen Jahren war auf dem Reuschenberger Friedhof ein Anführer des Clans in der dortigen Familiengruft beerdigt worden. Die Ordnungskräfte gehen davon aus, dass auch diesmal bis zu 500 Familienmitglieder aus ganz Deutschland anreisen könnten.

Die Beerdigung war verschoben worden, damit Familienmitglieder nach Ablauf ihrer Quarantäne teilnehmen können. Im Vorfeld hatte die Verwaltung eine Corona-Schutzverordnung zu Bestattungen auf dem Stadtgebiet erlassen, die die Zahl der Teilnehmer auf 25 Erwachsene und 25 Kinder unter 14 Jahren begrenzt.

Unterdessen zieht die Bestattung des 61-jährigen Clan-Mitglieds, das laut Presseberichten die Funktion eines „Friedensrichters“ gehabt haben soll, auch politische Kreise. Die Bürgerliste kritisiert die durch die Bestattung bedingten Einschränkungen, insbesondere die Schließung des Tierparks. Sie spricht von einer „Störung der öffentlichen Ordnung“ und verlangt Akteneinsicht von der Verwaltung.

Mitglieder des Leverkusener Clans waren in den vergangenen Jahren immer wieder wegen krimineller Machenschaften in die Schlagzeilen geraten. Auch wegen Sozialhilfebetrugs wurde ermittelt. Im November 2019 war der Junior-Chef des Clans, genannt „Don Mikel“, vor dem Landgericht nach einem mehrmonatigen Prozess wegen eidesstattlicher Falschaussage und Betrugs in 21 Fällen zu acht Jahren Haft und 908.000 Euro Geldstrafe verurteilt worden.

(RP)