Glanzlicht mit zwei Geigern n Leverkusen

Konzert im Erholungshaus : Glanzlicht mit zwei Geigern

Zwei Stipendiaten von Bayer Kultur spielten die Violin-Soli in Bachs Doppelkonzert.

Alleine für das Doppelkonzert für zwei Violinen von Johann Sebastian Bach hätte sich der Besuch des ersten Saisonkonzerts von Bayer Kultur im Erholungshaus schon gelohnt. So frisch und spritzig musiziert hört man diesen Ohrwurm-Klassiker nicht alle Tage. Jedenfalls nicht mit einer gleichzeitigen Ernsthaftigkeit, die auf allzu manierierte Effekte der Alte-Musik-Extremisten verzichtet und sich stattdessen auf die pure Musik konzentriert. Denn da steckt eigentlich schon alles drin.

Sandro Roy vereint Jazz und Klassik an der Violine. . Foto: Christian Hartmann

Es war aber auch wirklich ein Glücksfall, dass Bayer Kultur diese Künstlerbegegnung einfädeln konnte, bei der ein ehemaliger und ein aktueller Stipendiat der „stART-Förderung“ mit dem doppelten Solopart betraut wurden.

Die Entwicklung des Geigers Tobias Feldmann hat das Stammpublikum in der Vergangenheit begleiten können. Sandro Roy, der als Shootingstar an der Violine die Bereiche Klassik und Jazz vereint, ist erst seit letztem Jahr in Leverkusen präsent und war zuerst mit Jazz und Gypsy hier aufgetreten.

Vor dem Bach-Konzert setzte er die Lesebrille auf und kommentierte: „Sie sehen dass ein Gypsy auch Noten lesen kann und muss.“ Er kann sie nicht nur lesen, sondern kann sie auch wie sein Solo-Partner mit musikalischem Gespür, Einfühlungsvermögen und Präzision in Klang übersetzen, so dass es eine wahre Freude war.

Zumal die Kollegen im Rücken in gleicher Weise mitspielten. Die kamen von der besten Symphoniker-Adresse in Amsterdam, vom Concertgebouw Orchestra, allerdings in der kleineren Kammerbesetzung, die sich im zweiten Teil des Abends als ungeheuer warmer, satter und ausdrucksvoller Klangkörper präsentierte. Vor der Pause ließen sie den beiden jungen Geigern den Vortritt, jedenfalls mit jedem solistischen Einsatz.

Zauberhaft und nicht zu zaghaft untermalten sie den traumhaft gespielten Mittelsatz, in dem sich die beiden Sologeigen immer wieder ineinander schmiegen. Um dann geradezu elektrisiert in den Schlusssatz zu starten und im forschen Tempo die Zuhörer in den Sog der Musik zu ziehen. Vor dieser einzigen Originalkomposition in einem wirklich spannenden und kontrastreichen Programm hatten sich beide Geiger dem Publikum einzeln als Solisten vorstellen können.

Zart und schwebend startete das „Poème“ von Ernest Chausson für Violine und Orchester, das hier in einer Bearbeitung nur für Streicher erklang. Von weicher Melodik bis zu dramatischer Entwicklung, gelöster Heiterkeit und einem Hauch von Melancholie ist in dieser Musik alles drin, was Musiker an Empfindungen frei setzen können.

Sandro Roy konterte mit seiner zweiten Stärke und dem „Tzigane“ von Maurice Ravel, eine kunstvolle, von Zigeunerweisen inspirierte Fantasie, die dem Solisten alle technischen Finessen abverlangt.

Mit dem Streichsextett Nr.1 von Johannes Brahms in einer Streichorchester-Fassung beglückte das Concertgebouw Chamber Orchestra, das sich ohne Dirigent ganz einfühlsam verständigt, das Leverkusener Publikum nach der Pause.