Glanz und Niedergang der Einkaufsmeile Bahnhofstraße in Opladen

Stadtteilentwicklung : Glanz und Niedergang einer Einkaufsmeile

Samstag stellen Bahnstadt, Stadt und Wirtschaftsförderung zum Tag der Städtebauförderung auch den Stand der Opladener Stadtteilentwicklung vor. Vorab wirft Lokalhistoriker Toni Blankerts einen Blick zurück in die Geschichte.

Auch die neu angelegte Fußgängerzone hat den Charakter der Bahnhofstraße nicht verändert. Weiterhin prägen Spielhallen, Shisha-Bars und Dönerläden das Bild. Ende März sorgte eine Großrazzia von Polizei, Zoll und Ordnungsbehörden für Aufsehen auf der Meile, die seit Jahren als Sorgenkind des Stadtteils gilt. Dabei war sie das nicht immer. Im Gegenteil: „Die Bahnhofstraße war einst in Verbindung mit der Kölner und der Düsseldorfer Straße eine repräsentative Geschäftsstraße“, sagt Lokalhistoriker Toni Blankerts vom Verkehrs- und Verschönerungsverein Opladen.

Doch das ist lange her. Die kleine Zeitreise mit Blankerts beginnt 1864. „Die Bahnhofstraße war ursprünglich eine alte Dorfstraße, durch den Bau des Opladener Bahnhofs wurde sie zur Bahnhofstraße.“ Die Industrialisierung nimmt Fahrt auf, 1903 öffnet das Ausbesserungswerk der Eisenbahn. Opladen ist um die Jahrhundertwende eine Schulstadt: Das Marianum, das Aloysianum, das Naturwissenschaftliche Gymnasium, das später nach Landrat Lucas benannt wird, die Berufsschule und die Landwirtschaftsschule, sie alle sorgen für reichlich Betrieb in der Stadt. Und alle, die mit dem Zug zum Lernen und Arbeiten kommen, müssen über die Bahnhofstraße.

Auf ihr geht es vorbei an sehr gepflegten Wohnhäusern, Lokalen und Geschäften. Das königliche Postamt von 1894 hat hier seine Adresse ebenso wie das Rathaus (1891) und der hochangesehene Sanitätsrat und Arzt Dr. Herrmann Nörrenberg. Als Gründer des Instrumentalvereins Opladen (1898) und des Vereins für Ball- und Jugendspiele, der spätere Opladener Ballspielverein, galt er als Wohltäter der Stadt. Das Vereinshaus des OBV trägt noch seinen Namen. Er war mehrere Jahre Stadtverordneter und leitete den Verkehrs- und Verschönerungsverein (1910-1928).

Der Eisenbahnverkehr spülte Menschen in die Stadt, gerade an den Wochenenden, wenn etwa das wanderlustige Publikum aus dem benachbarten Köln einfiel, und sich von Opladen aus auf die Wege ins Bergische Land begab. Hotels, Cafés, Lokale und Tanzsäle an der Bahnhofstraße leben auch und gerade von diesen munteren Ausflüglern. Blankerts nennt beispielhaft das Hotel Jansen (Moritz) mit Biergarten und Tanzsaal, das Hotel Schmellenberg, die Cafés Bamberg und Birchler.

Die inhabergeführten Geschäfte waren damals noch alle fest in Familienhand und sorgten für ein breites Angebot. Blankerts nennt etwa die Familie Quabeck, die Seifen- und Putzmittel verkaufte, und das Schuhhaus Purschke. Metzler verkaufe Berufsbekleidung, Einbaum Bürobedarf. Bei Hofacker/Hepp gab es Auto- und Fahrradzubehör und bei Iwersen frisch geschnittene Blumen.

Nach dem Ersten Weltkrieg folgte der Zweite, und diesmal blieb in der Bahnhofstraße kein Stein auf dem anderen. Der Bombenangriff am 28. Dezember 1944 galt vornehmlich dem Ausbesserungswerk und legte die Bahnhofstraße mit in Schutt und Asche.

Der Wiederaufbau war beschwerlich, nur mühsam fand die Straße zurück zu neuem Leben. Tanzsäle und Capitol-Kino lockten das Publikum in den 50er Jahren. Der „Wurst-Maxe“ begann seine Karriere vor und in dem Lichtspielhaus. Heiße Brühwürstchen fischte er aus einem umgehängten Wasserbad. Sein bürgerlicher Name war Alfred Beiser, sein Hauptberuf Eisenbahner. Auch Süßigkeiten und die Leichlinger Eispüppchen, das erste Eis am Stil nach dem Krieg, gehörten zu Beisers Angebot.

Der Fall der Bahnhofstraße, so Blankerts, setzte später ein. Durch die kommunale Neugliederung 1975 verlor Opladen an Bedeutung. „Kaufkraft ging verloren, Geschäfte machten zu und wurden zum Teil durch Spielhallen und Schnellrestaurants ersetzt“, sagt der Lokalhistoriker. Die jetzige Aufhübschung der Fußgängerzone, vor allem aber der fortschreitende Ausbau der Neuen Bahnstadt mit Wohn- und Geschäftsquartier am neuen Busbahnhof gibt Blankerts Hoffnung. Nämlich, dass es den Inhabern der Geschäftsimmobilien gelingen könnte, die Straße wenn nicht zu altem Glanz zu verhelfen, so doch zu einem attraktiveren Ort zu machen.

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