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Leverkusen: Gibt es einen Pflegenotstand im Klinikum?

Leverkusen : Gibt es einen Pflegenotstand im Klinikum?

Ein Leverkusener hat im Klinikum von Problemen gehört. Der Ärztliche Direktor winkt aber ab.

Ein besorgter Bürger, der ungenannt bleiben möchte, hatte sich per Telefon an die RP-Redaktion gewandt: Seine Enkelin habe wegen undefinierter Bauchschmerzen einige Tage in der Kinderklinik des Klinikums Leverkusen gelegen. Dort habe er bei Besuchen gehört, dass ein regelrechter Pflegenotstand herrsche, ganze Stationen würden aus Personalmangel bereits geschlossen werden.

"Die generell schwierige Pflegesituation ist spürbar, aber nicht angespannt", betont der Ärztliche Direktor des Klinikums und Leiter der Urologie, Dr. Jürgen Zumbé, auf Nachfrage. Auf rund 37.000 stationäre Patienten jährlich kommen 400 Vollzeit- und 300 Teilzeitplanstellen im Pflegebereich, rund ein Prozent davon ist derzeit nicht besetzt. "Das ist eine bewusste Entscheidung, denn wir halten diese Stellen für die Auszubildenden unserer Krankenpflegeschule frei, die wir nach ihrem Abschluss im Herbst natürlich übernehmen wollen."

Dass es nicht auch schon mal Engpässe im Pflegebereich gibt, das will der Direktor nicht bestreiten. "Bei einer Grippewelle kommt es natürlich auch hier im Haus zu einem erhöhten Krankenstand, dann kann es passieren, dass Patienten intern verlegt werden, einfach um den Personalmangel bestmöglich zu kompensieren. Eine andere Möglichkeit ist die Überbrückung von Notständen durch die Unterstützung von Kräften, die wir über eine Zeitarbeitsfirma gestellt bekommen", berichtet Jürgen Zumbé.

Nichts desto trotz bedürfe es der Überarbeitung des Gesundheitssystems, mehr Planstellen müssten geschaffen werden - gerade im Bereich der Pflege. Wie viele genau, das sei schwer zu benennen, sagt Jürgen Zumbé "Das kann man pauschal nicht sagen. Die Politik sieht eine 1:1-Betreuung auf der Neonatologie vor - in der Theorie, andere Stationen sind ebenfalls pflegeintensiv, manche dagegen weniger."

Zumbé vergleicht die Gesundheitsbranche mit dem Schulsystem. "Wir haben gleichermaßen einen Versorgungsauftrag. Der eine Lehrer hat 25 Kinder, der andere 35. Alle Kinder werden bestmöglich den Umständen entsprechend betreut, genau wie die Patienten hier bei uns." Eines kann der Klinikdirektor jedenfalls garantieren: "Wir kommen unserem regionalen Versorgungsauftrag zu 100 Prozent nach, da muss sich wirklich niemand, der hier wohnt, sorgen."

Im Übrigen gäbe es auch keinen Ärztenotstand am Klinikum. "Im Gegenteil, wir halten uns zu 110 Prozent an die Vereinbarungen, die damals beim Ärztestreik mit dem Marburger Bund getroffen wurden. Im Übrigen liegt unsere Fluktuationsrate weit unter dem bundesweiten Durchschnitt; ich denke, das spricht für sich und uns", fügt Zumbé an.

(RP)