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Gerichtsprozess um Toten in Alkenrath: Ersthelferin bis heute bestürzt

Prozess am Landgericht Köln : Toter in Alkenrath: Ersthelferin bis heute bestürzt

Im Prozess um das Tötungsdelikt in Alkenrath im Frühjahr sagten jetzt vor dem Landgericht zahlreiche Zeugen des Vorfall auf der Friedrich-Leuschner-Straße aus.

Der 28. März war ein schöner Frühlingstag. Viele Bewohner der Mehrfamilienhäuser an der Wilhelm-Leuschner-Straße nutzten das, sie öffnen Fenster und hielten sich auf den Balkonen auf. Von den offenen Vorbauten haben viele sogar zwei – Wohnzimmer und Küche. Folglich gab es viele Zeugen der handfesten Auseinandersetzung an diesem frühen Samstagnachmittag, die mit einem Drama endete – ein 23-Jähriger kam zu Tode.

Vor der 4. Großen Strafkammer des Kölner Landgerichts, die dieses Tötungsdelikt gerade aufarbeitet, machten daher zahlreiche Zeugen ihre Angaben. Mitbewohner, die zwar durchweg das Gleiche gesehen hatten, aber mitunter ganz unterschiedliche Einschätzungen hatten. Ein Bewohner wurde etwa von seiner Frau aufgefordert, die Polizei zu verständigen. Der Mann meinte nur lapidar: „Die hau’n sich doch nur was auf die Nase.“ Dass es am Ende einen Toten gab, konnte er nicht ahnen.

Andere riefen von ihren Balkonen den streitsüchtigen Männern zu, damit aufzuhören, sonst würde man die Polizei rufen. Als eine Frau auf dem Balkon bereits ihr Mobiltelefon ans Ohr hielt und Kontakt mit der Polizei aufgenommen hatte, meinte das spätere Opfer: „Ruf nicht die Polizei an. Wir vertragen uns gleich wieder.“

Offensichtlich spielte sich der Streit im Drogenmilieu ab. Es war vielen Zeugen bekannt, dass rund um den Alkenrather Weiher offen mit Rauschgiften gehandelt werde. Ein Zeuge bemerkte: „Manchmal riecht unsere ganze Wohnung nach Gras. Das kommt vom Teich.“ Durchweg wollen die Zeugen das Gesehene eher verdrängen. Eine Frau schilderte: „Es ist für mich inzwischen alles nur schwarz-weiß.“ Daher könne sie nicht mehr genau sagen, welche Farben die Kleidung der Protagonisten hatte. Eine 33-Jährige Bewohnerin hat heute noch Probleme mit der Verarbeitung des Erlebten. Sie sah den Verletzten auf der Straße liegen, eilte heraus, holte aus ihrem Auto einige Handtücher, um die stark blutenden Stichverletzungen einzudämmen, forderte die Nachbarn auf, noch mehr Tücher zu bringen.

Das Opfer ist nicht direkt unter ihren Händen gestorben, weil der Notarzt anschließend den Verletzten – noch lebend -- ins Krankenhaus brachte. Dort konnten die Mediziner dem 23-Jährigen letztlich nicht helfen. Aber die Zeugin, die Erste Hilfe leistete, noch einige Worte mit dem Mann wechselte und auf die Frage nach dem Namen sogar eine Antwort erhielt, war wohl die Letzte, mit der das Opfer sprechen konnte. Sie schilderte sehr emotional, was selbst einigen hartgesottenen Juristen die Sprache verschlug. Für kurze Zeit war es ganz still im Gerichtssaal 112. Ihr ist zu wünschen, dass sie nach der Befragung im Zeugenstand nun einen Schlussstrich unter das Erlebte ziehen kann.

Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt.