Leverkusen: Gericht: Kranker darf nicht fahren

Leverkusen: Gericht: Kranker darf nicht fahren

Ein dauerhaft unter Medikamenten Stehender musste Führerschein abgeben.

Ein 29-jähriger Leichlinger muss bis mindestens zum Ende des Jahres auf seinen Pkw verzichten. Im Mai 2017 war er von der Polizei angehalten worden. Als er um kurz nach 11 Uhr die Straße Im Dorffeld befuhr, fiel er den Beamten durch Schlangenlinien auf. Bei der Kontrolle war der Mann durchgefallen. Er habe laut Anklage und Polizeibericht gerötete sowie glasige Augen gehabt. Zudem sei die Ausdrucksweise schwammig und er selbst desorientiert gewesen. In seinem Blut wiesen Ärzte später Medikamente nach.

Die, so wehrte sich der Beschuldigte, habe er einnehmen müssen - und das schon seit einigen Jahren. Aufgrund einer schizophrenen Störung sei das unvermeidlich. Vier Wochen war er vor dem Vorfall erneut in die LVR-Klinik Langenfeld eingewiesen worden. Am Tag seiner Entlassung habe er einen Behördengang erledigen wollen.

Wegen der Problematik, die sich auf das familiäre Leben auswirkt, sei er der Polizei bereits bekannt, gab er zu verstehen. Und er betonte: "Ich habe mich sehr gefürchtet." Das, sagte der Angeklagte, erkläre seinen Eindruck am Tattag. "Ich war aufgeregt, wollte keinen Fehler machen", betonte er. Die Verteidigung legte daraufhin ein Gutachten des behandelnden Arztes vor. Das bescheinigt: das Steuern des Pkw sei auch unter dem Einfluss der täglich eingenommenen Medikamente möglich - jedoch nur bei normaler Dosis sowie keinerlei Störungen von Außen, die das Krankheitsbild erneut verändern oder verschlimmern können. Eine Veränderung der Medikation, so sagte der 29-Jährige, sei ihm bei dem Aufenthalt in der LVR-Klinik nicht bekannt gewesen. Außerdem habe er kein verändertes Körpergefühl bemerkt. Und die Ärzte dort hätten kein Fahrverbot erwähnt - allerdings habe er auch nicht weiter danach gefragt.

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Die herbeigezogene Sachverständige erklärte, die Medikation sei aufgrund des Blutbilds verändert worden. Dass der Angeklagte das nicht merkte, sei ein Problem. Zudem könne Stress die Wirkung beeinflussen. Der Angeklagte gab zu, nahezu jeden Tag mit seiner Familie zu streiten. Durch eine Heirat sei er verschuldet, das sorge für Unmut. "Ich bin ja gerade dabei, mir mein Leben aufzubauen", betonte er.

Bis dieser Prozess nicht vollständig abgeschlossen, der Mann von seiner Familie gelöst ist, wird er sich gedulden müssen. Erst Ende des Jahres darf er erneut versuchen, den Führerschein zurückzuerhalten.

(RP)