Leverkusen: Gericht kann Menschenhandel nicht nachweisen

Leverkusen : Gericht kann Menschenhandel nicht nachweisen

Verfahren wurde gestern wegen Zuhälterei und sexueller Ausbeutung gegen Geldbuße von 800 Euro eingestellt.

Fast vier Stunden benötigte die Kammer gestern vor dem Amtsgericht Opladen, um zu einer Verfahrenseinstellung gegen einen 35-jährigen Frechener zu gelangen. Dabei wog die Anklage schwer: Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung und Zuhälterei, wurde ihm vorgeworfen. Der Mann soll eine 27-jährige Frau zwischen 2008 und 2009 bereits kurz nach ihrem 18. Geburtstag in ein Bordell gebracht und zur Prostitution gezwungen haben. Danach habe der Beschuldigte sein Opfer noch in weitere Etablissements, unter anderem in Leverkusen und Köln, gebracht und jeweils die Hälfte ihrer Einnahmen einbehalten. Zudem habe er sein Opfer und deren Familie mehrfach bedroht und eingeschüchtert. Mit der Frau habe er bereits ein Verhältnis gehabt, seit sie 15 Jahre alt gewesen sei, lautete die Anklage.

Vor dem Amtsgericht sagte der Frechener allerdings, er habe seine damalige Freundin sogar noch von dem Vorhaben abhalten wollen. Ganz im Gegenteil habe sie ihn erst überredet, sie zu dem Bordell zu fahren. Und sie habe bis vor kurzem noch als Prostituierte unter anderem in Berlin und Düsseldorf gearbeitet. Zudem habe sie Schulden gehabt, die sie durch die Einnahmen aus dem Bordell tilgen wollte.

Die Staatsanwältin nahm den Mann in ein regelrechtes Kreuzverhör. Dessen Verteidiger hatte vor der Verhandlung zu verstehen gegeben, sein Mandant sei psychisch labil und könne unter Druck jederzeit in Rage geraten, obwohl er entsprechende Medikamente eingenommen habe. Auch sei er zu 50 Prozent schwerbehindert.

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Im Gegenzug verstrickte sich das mutmaßliche Opfer und die einzige Zeugin im Prozess massiv in Widersprüche. Auf die meisten Fragen des Gerichts und der Verteidigung fand die Frau keine plausible Antwort oder sagte, sie könne sich nicht erinnern. So blieb ungeklärt, wann sie aufhörte "anzuschaffen" und wann sie Kontakt zu dem Beklagten hatte. Auch die Tatsache, dass sie noch nach der Anzeigenerstattung mit ihm Kontakt hatte und sogar in einer Diskothek feierte, blieb für das Gericht ein Rätsel. Dafür sei ihr regelmäßiger Kokainkonsum, das sie vom Angeklagten bezog, verantwortlich gewesen, beteuerte sie. Süchtig sei sie aber nicht gewesen, sagte sie.

Die Frau betonte, sie wolle das Geschehene hinter sich lassen und den Prozess endlich beenden. Ihre Schilderungen bezeichnete der Richter als lückenhaft. Den Beschuldigten musste er ermahnen, das Grinsen zu unterlassen, um die Zeugin nicht zu verwirren. Der Richter resümierte letztlich: "Wir haben hier nichts Konkretes, was man in ein Urteil bringen kann."

Stattdessen einigten sich Gericht, Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Nebenklage auf eine Einstellung des Verfahren und die Zahlung von 800 Euro. Der Richter meinte: "An der Aussage der Zeugin kann ja nicht alles falsch sein." Und der Verteidiger verzichtete auf ein Urteil und einen damit möglichen Freispruch, um die Nerven des Angeklagten zu schonen.

(RP)
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