Leverkusen/Leichlingen: Gefahr im alten Schilderwald

Leverkusen/Leichlingen: Gefahr im alten Schilderwald

Viele Verkehrsschilder sind alt und damit ungültig. Werden sie ausgetauscht? Oft nicht, weil dies einiges kostet. Da freut sich der Autofahrer. Ein Leichlinger raste, das Temposchild war alt und ungültig: Zahlen musste der Fahrer nicht.

Für die Verkehrsexperten in der Leverkusener Stadtverwaltung ist das Schilderthema kein Thema. "Ich sehe die Frage, ob Schilder ungültig sind oder nicht, nicht so dramatisch wie der ADAC." Im Zweifelsfall müsse man eben einen Gerichtsentscheid abwarten. Wenn die Aussage eines "alten" Verkehrsschildes eindeutig sei, dann gelte das weiter, meinte gestern Ingrid Samusch, stellvertretende Leiterin des Straßenverkehrsamtes.

Viele Schilder hätten sich ohnehin nur wenig geändert, sie seien im wesentlichen nur neu gestaltet. Bei dem Achtungsschild "Fußgänger" lief früher ein Mann mit Hut über den Zebrastreifen, heute ist dort ein "geschlechtsneutraler" Fußgänger abgebildet.

Keine systematische Suche

Eine systematische Suche nach veralteten, streng juristisch ungültigen Schildern wird es in Leverkusen nicht geben. "Wir arbeiten ohnehin an einem Schilderkataster, da werden wir bald wissen, wo welches Schild steht", sagte Samusch. Ein Großteil von Schildern sei demontiert worden, als die Stadt im Jahr 2000 die Aktion "weniger Schilder" gestartet habe. Viele Verkehrszeichen seien wahrscheinlich schon einmal getauscht worden — gegen die neuen Typen.

Keine Auswirkungen? Da hat Leichlingens Verkehrsplaner Jürgen Krey andere Erfahrungen gemacht. Er verweist auf den Fall eines Blütenstädters, der vor einiger Zeit auf der Solinger Stadtautobahn mit Tempo 110 geblitzt worden ist — in einem Bereich, der 70 Stundenkilometer erlaubte. "Zahlen musste der nicht", berichtete Krey gestern. Das Schild sei ein altes gewesen, auf dem noch "70 km" gestanden habe: "Das ,km' hatten die Solinger zwar abgeklebt — aber das reicht vor Gericht nicht aus." Insofern täten die Städte gut daran, die ungültigen Schilder-Varianten zu ersetzen.

Alte Exemplare dieser Art sieht der Verkehrsexperte aus der Blütenstadt immer wieder mal, wenn er auf seinen Fahrten durch die Region darauf achtet. In der Blütenstadt selbst hat er aber nur noch ein, zwei vereinzelte Schilder bemerkt, die jetzt auch zügig ausgetauscht werden. "Wir haben das im Zuge unserer alle zwei Jahre stattfindenden routinemäßigen Überprüfungen immer schon getan", erzählt Krey. Moderne Schilder müssten ja auch alle lichtreflektierend sein, da komme man zwangsläufig am Austausch der alten nicht vorbei.

Eine Zahl älterer Halteverbotsschilder hat Krey dennoch in Reserve — allerdings nicht für die Straßen in seinem Dienstbereich, wie er betont: "Die haben wir für den Leichlinger Obstmarkt verwendet."

(RP)