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Gedenkabend zur Reichspogromnacht vor 81 Jahren

Zweitzeugen berichten vom ihrer Mutter, die den Holocaust überlebte : Gedenkabend, der Hoffnung gibt

Drei jüdische Schwestern erzählten zum 9. November in Quettingen als Zweitzeugen vom Schicksal ihrer Mutter Zlata, die Ghetto, KZ und Todesmarsch überlebt hat.

Panik habe sie ergriffen als sie erstmals vor deutschen Schülern sprechen sollte, gestand Etti Zilber in der evangelischen Kirche in Quettingen. Was wollten Jugendliche in Deutschland von einer jüdischen Frau aus den USA hören, deren Mutter den Holocaust überlebt, aber den größten Teil ihrer Familie verloren hat? Sie ließ sich dennoch darauf ein und war erstaunt über das Interesse der Jugendlichen und ihr Wissen um dieses Kapitel deutscher Geschichte. „This gives me hope“, merkte sie an.

Die Hoffnung, dass sich so etwas nicht wiederholen werde. Die Tatsache, dass diese Gefahr längst nicht gebannt ist, wurde am Gedenkabend zum 9. November deutlich formuliert. Sowohl von Oberbürgermeister Uwe Richrath, der zum 25. Jubiläum der Veranstaltung gegen das Vergessen anwesend war, als auch vom ehemaligen Ortspfarrer Ferdinand Hackländer, der in seinem Schlusswort klarstellte, warum man 81 Jahre nach der Reichspogromnacht die Bereitschaft zu Rückblick, Gedenken und Wahrheit erhalten muss: „Wir brauchen es für uns selber.“ Zilber hat die Geschichte ihrer Mutter Zlata Santocki Sidrer in dem Buch „A Holocaust Memoire of Love and Resilience“ aufgeschrieben, anhand von Tonbandaufzeichnungen der Mutter. Zu Lebzeiten hat sie nie mit ihren drei Töchtern darüber gesprochen.

Dank der Finanzierung von Bürgerstiftung, Fördervereinen und Spenden konnten alle drei an dem Abend sprechen und bei den Vorbereitungen mit Schülern des Landrat-Lucas-Gymnasiums und der Marienschule dabei sein. Kapitelweise trugen Schüler die Zusammenfassung der Lebensgeschichte von Zlata vor, die in Litauen geboren und aufgewachsen ist, bis sich mit der Invasion der deutschen Wehrmacht im Juni 1941 alles änderte. Es folgte ein Leben im Ghetto, wo Zlata ihren Mann Liova heiratete, den sie bald aus den Augen verlor. Dann die Trennung von Eltern und Geschwistern, das Überleben von Massenerschießungen und dem KZ Stutthoff, der Todesmarsch durch Polen und das Wiedersehen mit ihrem Ehemann, dessen Ehering sie bewahrt hatte. Rena Itzhaky, jüngste Tochter, trug die Ringe der Eltern an einer Kette und hielt sie hoch, während sie die Originalzitate in die Zusammenfassung sprach. Jeanne Rabin, die Mittlere der Schwestern, lebt als Musikerin in Israel und war schon mit ihrem Chor zu Gast in der Musikschule Leverkusen, die einmal mehr die musikalische Gestaltung übernahm. Diesmal spielte das Klezmer-Ensemble crazy frailach die anrührende Musik. Auch mit Jeanne Rabin, die alle Anwesenden animierte, in den Refrain einzustimmen. Zudem sang der BachChor Leverkusen zwei Stücke aus Mendelssohns Oratorium „Elias“.

Schade, dass der bewegende Abend durch viele, sicher ernst gemeinte Beifallsbekundungen unterbrochen wurde.