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Gästeführer zeigen die schönen Seiten von Leverkusen

Neue Gästeführer sind zertifiziert : Die schönen Seiten der Stadt entdecken

Sechs neue Gästeführer zeigen Interessierten künftig geschichtsträchtige Ecken in Leverkusen. Für ihre Prüfung mussten sie sich eigene Touren durch die Stadtteile ausdenken. Jetzt wurden sie zertifiziert.

Wenn Menschen behaupten die Stadt habe keine Geschichte, Leverkusen besitze keine Sehenswürdigkeiten, dann runzelt Ellen Lorentz die Stirn und schüttelt mit dem Kopf. Die 65-Jährige weiß um die große Industrie, die Leverkusen ausmacht und die Geschichten, die mit ihr verbunden sind. Nun bildet die Rentnerin mit Unterstützung der Volkshochschule sechs Gästeführer aus, die eigene Touren durch die Stadtteile anbieten.

160 Ausbildungsstunden investierten die „Azubis“ in ihr Vorhaben. Zehn waren einst gestartet, sechs schafften die Herausforderung. An deren Ende hatten die Teilnehmer sogar eine eigene Tour ausarbeiten und eine Seminararbeit schreiben müssen. „Man muss sich dafür Zeit nehmen“, sagt Annemarie Klein, die am 22. September erstmals durch Rheindorf führen wird.

Gelohnt hat sich die Arbeit auf jeden Fall. Mit der Zertifikatsübergabe sind sie nun offiziell Mitglieder des „Bundesverband der Gästeführer in Deutschland“. Nach deren Richtlinien hatte Lorentz die Ausbildung erstellt – das ist Bedingung. Die Idee dazu kam ihr, als der Bergische Geschichtsverein einmal durch die Stadt führte. Da rechnete die 65-Jährige als damalige Führerin mit 30 Leuten. Es kamen 60. „Es war immer ein Bedürfnis der Leverkusener, diese Stadtspaziergänge zu machen.“

Jetzt also ist das regelmäßig möglich. Und doch bleibt die Frage: Was gibt es denn zu sehen? Neben alten Kirchen, Gemäuern und geschichtsträchtigen Ecken spielt die Industrie eine große Rolle. Leverkusen gehört, dank der sich in der Stadt so rasant entwickelnden Wirtschaft, laut Lorentz zu den zehn NRW-Städten, in denen die meisten Dinge denkmalgeschützt sind. Und die von Bayer errichteten Kolonien stellen dabei sogar die größte unter Denkmalschutz gestellte Fläche.

Für die Doktorin in Wirtschaftsgeschichte ein Alleinstellungsmerkmal, das mehr Aufmerksamkeit verdient. „Leider wurde das nie vermarktet“, bedauert sie. Gerade Geschäftspartner der Pharmariesen seien während ihrer Aufenthalte an der Geschichte der Chemiestadt interessiert. Das sei ihr immer wieder zugetragen worden. Sicher sei Köln wohl zunächst der erste Anlaufpunkt, „irgendwann hat man dort aber alles gesehen“.

Annemarie Klein freut sich auf ihren ersten Gang durch Rheindorf. Der Liebe wegen zog die 79-Jährige einst aus Paderborn nach Leverkusen – und wurde am Rhein sehr schnell heimisch. So sehr, dass ihr erster Einsatz als Stadtführerin im September gar nicht ihr eigentlich erster sein wird. Schließlich habe sie Freunde schon öfter durch ihren Stadtteil geführt. Nun geht  Klein mit dem Zertifikat in der Tasche auf Tour. „Es gibt viel, das es in Rheindorf zu erzählen gibt“, sagt sie. Dazu gehöre etwa das Haus, in dem vor vielen Jahren der Zolleintreiber wohnte.