Leverkusen: Gänsehautmomente mit Kai Bettermann als Freddie Mercury

Leverkusen : Gänsehautmomente mit Kai Bettermann als Freddie Mercury

Es ist der 23. November 1991, den viele eingefleischte Rock-Liebhaber, besonders Queen-Fans, wohl noch in Erinnerung haben. Frontsänger Freddie Mercury informierte damals die Öffentlichkeit, dass er an Aids erkrankt sei. Am nächsten Abend stirbt er in seinem Haus im Londoner Stadtteil Kensington im Alter von nur 45 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung und hinterlässt eine trauernde Fanszene aber auch ein großes Stück Musikgeschichte.

Zehn Jahre später schreibt Kai Bettermann ein Musiktheaterstück über die Rock-Ikone. Es entwickelt sich in den kommenden 17 Jahren nicht nur in eine eigene Interpretation der Songs beziehungsweise zu einer Hommage an Freddie Mercury, sondern wird zu einem perfekt abgestimmten, hochintensiven Stück, dass durch viele Elemente zu einem ästhetischen Kunstwerk wird. Nicht umsonst lockt es nach all den Jahren immer noch zahlreiche Gäste an, so wie aktuell im Bayer Erholungshaus.

Es ist ein Genuss, Kai Bettermann bei seiner Arbeit zuzusehen. Ihm gelingt es, den Gänsehautmoment zu erzeugen. Während er sich während des Stücks immer mehr zu Freddie Mercury verwandelt und schlussendlich "oben ohne" mit Schnurrbart und extravaganter knallgrüner Hose vor seinem Publikum "Bohemian Rhapsody" performt, gibt es zahlreiche Hintergrundinfos zur Biografie des Künstlers. Als Inder wurde Mercury auf der ostafrikanischen Insel Sansibar geboren. Er besuchte in Bombay ein Internat und gründete dort seine erste Rockband namens "Freddie and the Hectics". Mercury sei als Jugendlicher auf der Suche nach Familie, Geborgenheit und Glück gewesen. Seine Hobbys Tennis, Tischtennis und Boxen waren nur Ablenkung, da er seine Eltern kaum sah. Herrlich anzusehen, wie spielerisch Kai Bettermann kleine, aber dennoch elementare Mercury-Spuren in sein Stück einarbeitet. Ein Mikrofonständer, der angeblich in Woodstock seinen großen Auftritt hatte und immer noch mit Jimi-Hendrix-Schweiß überfüllt ist, fällt ihm fast ungewollt auseinander - so wie einst beim Idol selbst. Um die Show nicht abbrechen zu müssen, machte Mercury damals einfach weiter und stellte dabei fest, auf wie viele unterschiedliche Weisen er dieses "neue" Mikrofon einsetzen konnte.

Der heimliche Star im Hintergrund ist an diesem Abend Ursula Wawroschek, die für die Musik zuständig ist. Wunderbar, wie sie mit dem Flügel und dem Kontrabass umgeht. Ihr gelingt es spürbar einfach, Bettermann in Szene zu setzen und das Schauspiel auf die Besucher zu übertragen.

(RP)
Mehr von RP ONLINE