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Opladen: Funkenappell der Altstadtfunken

Opladen : Funkenappell der Altstadtfunken

Wer am Samstagmorgen an der St. Remigius Kirche vorbeifuhr und nicht aus Opladen kam, wunderte sich vielleicht. Allen anderen war beim Anblick der blau-weißen Masse klar: Die Opladener Altstadtfunken feiern ihre Regimentsmesse und damit den Start in die neue Session.

Um kurz nach zehn Uhr zog die Karnevalsgesellschaft in die Pfarrkirche ein, die komplett gefüllt war. Mit dabei war natürlich auch "Weihrauchspitter", wie Pfarrer Heinz-Peter Teller von den Altstadtfunken benannt wird. Mit kleiner Narrenkappe auf dem Haupt hielt er den gesamten Gottesdienst in feinster "kölscher Sproch" — auch das hat Tradition und ist für Teller etwas Besonderes: "In Platt kann man einfach alles sagen. Es klingt nie unhöflich." Und er bewies, dass es mit Dialekt ebenso möglich ist, die Dinge konkret zu benennen: "Angesichts der politischen Lage sind es derzeit wirklich schlechte Tage."

Teller verwies auf die Attentate in Frankreich und darauf, dass ihm aus diesem Grund eigentlich gar nicht nach Witzen zumute sei. "Ich kann nicht begreifen, was da passiert ist. Jeder Hass erzeugt Gegenhass. Die Menschen benehmen sich wie die Neandertaler." Er betonte, dass Versöhnung jetzt wichtiger denn je sei und die Menschen ihre Herzen öffnen müssten. Doch ließ "Weihrauchspitter" die Altstadtfunken und die anderen Gottesdienstbesucher nicht mit dieser Schwere zurück. Er beendete seine Predigt hoffnungsvoll. So sei er fest davon überzeugt, dass der "Herrjott" bei den Menschen bleibe und am Ende alles gut sei. Dieser Glaube ermöglichte es ihm wohl auch, manch lustige Anekdote zu erzählen, die die Gemüter merklich erheiterte.

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Nach der Regimentsmesse zogen die Altstadtfunken zum Funkenappell vor die Volksbank in der Fußgängerzone. Dort tanzten Kinder-und Jugendkorps, die Mädchengarde sowie der Traditionskorps. Fehlen durfte an diesem Tag natürlich nicht die Inspektion des Zustands der Truppe. Die nahmen Kommandant Udo Kreie, Spieß Daniel Lobert und Alexander Litz, Vorstand der Volksbank Rhein-Wupper, vor. Jubiläen gab es ebenso zu feiern, allerdings nicht nur in den eigenen Reihen. So wurde neben Präsident Rainer Martins (22 Jahre) und Werner Nowak (elf Jahre) auch der "Weihrauchspitter" geehrt. Schon seit elf Jahren ist Heinz-Peter Teller als Regimentspfarrer tätig.

Und ein neuer Funke wurde aufgenommen: Max Müller. Dabei ist "Strahlemann", wie Max Funkenname lautet, genau genommen gar nicht neu: "Ich war schon als Kind bei den Altstadtfunken. Aber dann brauchte ich mal eine Pause vom Karneval", erzählte der 22-Jährige. Warum er nun nach mehrjähriger Abstinenz zurückkehrt, konnte Max kurz und prägnant beantworten: "Weil es einfach eine ganz tolle Gesellschaft ist."