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Führung durch die neue Bahnstadt in Opladen

Führung durch die Bahnstadt : Von Schrauben, Schmuckkästchen und Schlafstadt

Wer dachte, angesichts der umfassenden medialen Berichterstattung sei schon alles gesagt, liegt falsch. „Das Interesse an den Fortschritten der neuen Bahnstadt ist groß“, sagte die zertifizierte Stadtführerin Dorothee Egenolf, als sie am Sonntag rund ein Dutzend Besucher aus Leverkusen und Umgebung fast zwei Stunden über das Gelände führte. Motto: „Von Schrauben und Schienen zum Schmuckkästchen“.

Es waren mehr Interessenten gekommen, als Egenolf erwartet hatte. Nachdem diese zusagten, den vorgeschriebenen Corona-Sicherheitsabstand einzuhalten, durften auch sie an der Führung teilnehmen. „Ich kenne das Gelände noch von früher“, sagte eine 67-jährige Frau aus Langenfeld. „Reine Neugier“ war für eine Bürgerin aus Opladen Grund genug, an dem Rundgang teilzunehmen und konkrete Hintergrundinformationen zu erhalten. „Mich interessiert, wie weit sich alles entwickelt hat und ob die Bahnstadt noch immer eine ‚Schlafstadt‘ ist“, argumentierte eine Einwohnerin aus Küppersteg. Andere Teilnehmer reizte der Streifzug, weil sie persönliche Verbindungen zum einstigen Ausbesserungswerk hatten.

„Über kein Stadtviertel ist so viel geschrieben worden, wie über die neue Bahnstadt“, erläuterte Egenolf zum Auftakt. „Das ist eigentlich auch nicht verwunderlich, denn es handelt sich um eine Fläche von ungefähr 70 Hektar, die komplett neu gestaltet werden musste, nachdem das ehemalige Ausbesserungswerk 2003 geschlossen wurde.“

Der Westteil sei noch im Bau, deshalb sei dort nicht viel zu sehen, sagte die gelernte Betriebswirtin aus dem Sauerland, die seit 20 Jahren in Opladen lebt. Kurz erläuterte sie geplante Vorhaben wie den Bau einer großen Wohnsiedlung mit 500 Wohneinheiten, Büro- und Dienstleistungsgebäuden und die Anlage eines Parks. Dazu komme das so genannte „Grüne Band”, das Fußgänger und Fahrradfahrer von Süden nach Norden führen, außerdem durch Grünflächen durch Spielplätze sowie Aufenthaltsinseln aufgelockert werden solle.

Die Europaallee sei in Teilen schon eröffnet und werde ebenso wie der neue Busbahnhof im Herbst 2020 fertiggestellt. Alle übrigen Maßnahmen sollten bis 2023 beendet sein. Das wiederum konnten die Zuhörer nicht glauben und mussten laut lachen. Wann die Rampe der Campusbrücke fertig gestellt werde, hatte ein Mann zuvor nachgehakt. Noch in diesem Jahr werde der Bau endgültig abgeschlossen, so dass die Rampe dann auch von Radfahrern wieder bequem als Verbindung zwischen Bahnstadt-West und Brückenpark zu nutzen sei, antwortete Egenolf, die während des Spaziergangs speziell auf die heutige Nutzung und auf die Geschichte des ehemaligen Bahngeländes hinwies.

Die Werkstättenstraße mit dem alten Baumbestand sei aus alter Zeit erhalten geblieben, das übrige Straßennetz neu entstanden, erklärte sie zum Beispiel. Das Spritzenhaus diene inzwischen als Bürogebäude von Architekten. Die ehemalige Zeichenwerkstatt der Bahn – das künftige „Haus der Wirtschaft“ – werde voraussichtlich ab Herbst vom Arbeitgeberverband der Metall- und Elektroindustrie Rhein-Wupper genutzt und mit Gastronomie kombiniert. Kesselhaus, Ledigenwohnheim, Campus und Wasserturm waren unter anderem weitere Stationen der Besichtigung.

Info Die nächste Führung durch die neue Bahnstadt zum Preis von 7,50 Euro bietet Dorothee Egenolf für den Herbst an, ein genauer Termin steht aber noch nicht fest und kann unter Telefon 0178 3756581 erfragt werden.
Alternativ dazu bieten Bahnstadt-Chefin Vera Rottes und ihr Team in regelmäßigem Rhythmus kostenfreie Besichtigungen – begrenzt auf jeweils 20 Teilnehmer – an. Anmeldungen für 17. September und 8. Oktober per Mail an info@neue-bahnstadt-opladen.de oder Telefon 02171 406-6018. Start ist jeweils um 17 Uhr ab Campusbrücke an der Werkstättenstraße.