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Leverkusen: Friedhofsruhe für die Bienen

Leverkusen : Friedhofsruhe für die Bienen

Die Grabfelder werden immer leerer. Auf dem Friedhof Scherfenbrand schafft das Platz für eine Imkerin und ihre Tiere.

Friedhöfe und Bienen - passt so etwas zusammen? "Ja", sagt Imkerin Birgit Neumann. Sie hatte vor geraumer Zeit am Friedhof Scherfenbrand bereits eine Stelle ausgesucht. "Hier bin ich immer mit dem Hund außerhalb des Friedhofs vorbeigekommen und habe beobachtet, wie die Sonne auf das kleine Randfleckchen scheint. Das kleine Stück passte perfekt." Der versteckte Standort biete viel Tracht und Ruhe für das Bienenvolk.

So entschloss sie sich, den Fachbereich Grün der Stadt Leverkusen zu kontaktieren. Dieser war von der Idee sofort begeistert. Laut Manfred Witowski, dem stellvertretenden Fachbereichsleiter, werden wegen des Trends zur Urnenbestattung seit einigen Jahren weniger Flächen auf den Friedhöfen benötigt. Daher sei man dazu übergegangen, die Randbereiche der Friedhöfe extensiv zu bewirtschaften. Weil etwa die Rasenflächen dort nur noch ein bis zweimal im Jahr gemäht werden, blühen inzwischen vermehrt Wildblumen.

"Das ist auch ökologisch höchst sinnvoll", lobt Baudezernentin Andrea Deppe. "Die Ansiedlung von Bienenstöcken in diesem Bereich ist in diesem Zusammenhang ein weiterer Gewinn für die Natur. Denn die Bienen tragen zur Verbreitung der Blütenpollen und größerer Vielfalt der Pflanzenarten bei."

Ohnehin pflege der Fachbereich Stadtgrün auf seinen Friedhöfen viele unterschiedliche Bäume und Pflanzen. Auf dem Friedhof Scherfenbrand seien es überwiegend Eichen, weil die Fläche früher zur Diergardt'schen Forstverwaltung gehörte. Auch hier gibt es aber Sträucher und eine Vielfalt von blühenden Gehölzen und Stauden. Auf den anderen städtischen Friedhöfen finden sich von verschiedenen Nadelgehölzen bis zu Ahorn, Eiche und Buche fast alle einheimischen Baumarten.

Für Imkerin Neumann ist der Standort perfekt. Denn zum einen würden die Bienen am Rand keine Menschen stören, umgekehrt hätten die Tiere selbst Schutz vor Randalierern und Dieben. Die vier Bienenstöcke, die seit April auf dem Friedhof zu finden sind, hätten auch schon reichlich "Ertrag abgeworfen": Rund 100 Kilogramm Honig hat Birgit Neumann bereits gesammelt. "Damit kann ich rund 200 Gläser frischen Honig verkaufen", erklärt sie.

Neumann trägt immer noch einen Schutzanzug. "Ich kenne Imkerinnen, die das mittlerweile einfach so machen, aber denen schmerzen die Stiche auch nicht mehr so sehr", sagt sie und zündet dabei noch einige Hölzer an. Denn der Rauch beruhige die Bienen, so dass man meist recht ungestört arbeiten könne. Und einen Tipp für bienenfreundliche Hobby-Gärtner gibt es auch noch: Keine Pestizide verwenden und keine gefüllten Blumen und Sträucher mit gefüllte Blüten pflanzen, da dort kaum Nektar zu finden sei. Bienen würden Lavendel, Zitronenmelisse oder Malve lieben. Wenn im Garten oder auf dem Grab die Blüten zu unterschiedlichen Zeiten aufblühen, freue das nicht nur das Auge, sondern auch die Biene.

Sollte das Modell auf dem Friedhof Scherfenbrand Nachahmer finden, ist es laut Fachbereich Stadtgrün denkbar, einzelne Stöcke auf anderen städtischen Friedhöfen aufzustellen. Eine Warteliste mit Anfragen von Imkern gebe es aber bislang noch nicht.

(RP)