Leverkusen Freikarten für Bedürftige

Leverkusen · Der Verein KulturDrehscheibe verschenkt Kultur-Tickets an Menschen, die sie sich sonst nicht leisten könnten. Die Veranstalter profitieren von vollen Häusern. Im Oktober geht es los. Ziel ist es, die Kultur zu fördern.

 Christoph Engels liest humorvolle Geschichten in der Christuskirche. Zu Veranstaltungen wie diesen verschenkt die KulturDrehscheibe Karten.

Christoph Engels liest humorvolle Geschichten in der Christuskirche. Zu Veranstaltungen wie diesen verschenkt die KulturDrehscheibe Karten.

Foto: Miserius (Archiv)

Mit ihrem neuen Büro im Haus der Diakonie an der Otto-Grimm-Straße in Wiesdorf kann die KulturDrehscheibe nun ihren Dienst aufnehmen. Der im Juni gegründete Verein vermittelt Kulturkarten an Leute mit geringem Einkommen, die sich den Theater- oder Konzertbesuch sonst nicht leisten könnten oder wollten.

"Davon profitieren beide Seiten: Die Veranstalter bekommen volle Häuser, und Menschen mit geringem Einkommen können am kulturellen Leben teilhaben", sagt Detlev Prößdorf, Pfarrer der Christusgemeinde und erster Vorsitzender der KulturDrehscheibe. Die Idee habe man von den Kulturlogen übernommen, die sich 2009 in zahlreichen Städten gegründet haben. Von den Veranstaltern in Leverkusen, sei es KulturstadtLev, Bayer, aber auch freie Träger wie das Kulturausbesserungswerk, haben Prößdorf und die anderen neun ehrenamtlichen Mitstreiter positive Signale bekommen, dass sie bereit sind, Karten umsonst abzugeben. "Bei vielen Veranstaltungen kann man schon im Vorfeld absehen, dass sie nicht voll werden", sagt Prößdorf.

Einkommensgrenze: 930 Euro

Durch das neue Büro können die Ehrenamtler ab Oktober aktiv loslegen. Denn zunächst muss überprüft werden, ob der Kulturinteressierte auch wirklich die kostenlosen Tickets in Anspruch nehmen darf. Jeder, der mit seinen Einkünften unter der offiziellen Armutsgrenze von 930 Euro netto liegt, kann sich mit einem entsprechenden Nachweis bei der KulturDrehscheibe registrieren lassen. Auch Rentner mit geringen Bezügen, Studenten, Inhaber eines Ausweises der Leverkusener Tafel oder Kunden der Schuldnerberatung können "Kulturgäste" werden und in den Genuss von Karten kommen.

Nun liegen die entsprechenden Flyer aus, auf denen man sich mit seinen Interessen registrieren lassen kann, je nachdem, ob man lieber Kabarett, eine Lesung oder ein Jazzkonzert besucht. "Wir haben ein Computerprogramm, das uns dann aus der Datenbank die passenden Abnehmer für Karten anzeigt", berichtet Kirsten Prößdorf, die sich ebenfalls für den Verein engagiert. Der potenzielle "Kulturgast" kann sich dann mit Begleitung auf die Gästeliste setzen lassen und die Tickets am Veranstaltungsabend an der Kasse abholen — ohne dass er dort noch etwas vorweisen muss. Wenn jemand allerdings häufiger Karten verfallen lässt, darf er nicht mehr teilnehmen.

"Das Ganze basiert auf wechselseitigem Vertrauen", sagt Prößdorf. Man wolle Publikumsschichten erreichen, die sonst nicht an Kulturabenden teilnehmen. Denn ein Ziel sei es auch, die Kultur zu fördern. "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, Kultur ist auch ein Lebensmittel", sagt Pfarrer Christoph Engels, ebenfalls im Vorstand aktiv. "Und Kultur macht glücklicher", ergänzt Kirsten Prößdorf.

(RP/ac)
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