Leverkusen: Fortissimo ins neue Jahr

Leverkusen: Fortissimo ins neue Jahr

Die Musiker der Bayer-Philharmo-niker müssen auf Urlaub zwischen den Jahren verzichten. Stattdessen steht Proben auf dem Plan - für die beiden Konzerte zum Jahreswechsel.

Andere fahren zwischen den Jahren zu Verwandten oder zum Skilaufen. Die Musiker der Bayer-Philharmoniker aber sollten tunlichst zu Hause bleiben. Jedenfalls die meisten, damit die traditionellen Konzerte zum Jahreswechsel stattfinden können. Im vergangenen Jahr hatten sie ausnahmsweise frei, weil die Westdeutsche Sinfonia Leverkusen an ihrer Stelle spielte. Doch normalerweise treten die Bayer-Philharmoniker sowohl im Silvesterkonzert der KulturStadtLev im Forum, als auch beim Neujahrskonzert von Bayer Kultur im Erholungshaus auf. Jeweils mit identischem Programm, das eine Woche später auch noch einmal in Monheim wiederholt wird.

Vorsitzender Konrad Fischer ist begeisterter Skiläufer und könnte sich durchaus eine Reise in den Schnee vorstellen. Aber der Jahreswechsel an seinem Cello inmitten eines semiprofessionellen Orchesters hat für ihn Vorrang. Familie und Freunde hören zu, und anschließend wird zusammen ins neue Jahr gefeiert. Nicht zu lang und mit maßvollem Alkoholkonsum, denn am nächsten Mittag muss er wieder mit voller Aufmerksamkeit dabei sein. "Das macht schon großen Spaß", versichert er. Und er weiß den Wert dieses Ensembles zu schätzen. Wo sonst hätte er als Laie die Möglichkeit, mit namhaften Solisten aufzutreten und bedeutende Werke wie eine Mahler-Sinfonie auf beachtlichem Niveau mit aufführen zu können?

Die Leistungsfähigkeit des Ensembles ist der Tatsache zu verdanken, dass ein erheblicher Anteil studierter Profi-Musiker in allen Stimmen sitzt, die den Rest zum Üben motivieren und sie mitziehen. Neben Musiklehrern und ausgebildeten russischen Aussiedlern sind es auch noch jene, die Bayer vor Jahren als arbeitslose Musiker in eine Zweitausbildung übernommen hat. Außerdem leistet man sich sowohl einen guten Dirigenten, das ist seit sechs Jahren Bernhard Steiner, sowie einen professionellen Konzertmeister (Martin Haunhorst). Beide müssen aus eigenem Etat bezahlt werden, seit die Bayer-Philharmoniker nicht mehr wie früher als "Werkensemble", sondern als eingetragener Verein geführt werden.

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Der Konzern, als dessen Marketingbotschafter sich das Orchester auch versteht, gibt immer noch einen ordentlichen Zuschuss, betont Fischer. Allerdings nicht über die Maßen, so dass man gut wirtschaften müsse. Schließlich fallen weitere Kosten an für Konzerte in Eigenregie, für Konzertkleidung (den Frack bekommen alle Mitglieder gestellt) oder für die Instandhaltung der Instrumente, die Bayer in fetten Jahren angeschafft hat.

Damals spielten vorwiegend Werksangehörige im Orchester, die gleich nach der Arbeit zur Probe gingen. Da konnten sie ihr Instrument schlecht dabei haben, schon gar nicht auf dem Fahrrad. Und so nutzen die meisten noch heute die Bayer-Instrumente, die im Erholungshaus lagern, wo die Proben stattfinden. Zwei Mal pro Woche übrigens, am Montag und am Mittwoch. Und dazu sollte man die Stücke bereits vorbereitet haben. Er übe inzwischen fleißig und freut sich, dass es bei den Kollegen auffällt, sagt Konrad Fischer, der seit einem Jahr in Vorruhestand ist. Früher als leitender Angestellter im Management bei Bayer habe er sich auch schon mal "durchpfuschen" müssen, wenn die Zeit knapp war.

In der Woche nach Weihnachten ist keine Zeit zum Ausruhen, sondern besonders viel los. Morgen gibt es eine lange Generalprobe für das Silvesterkonzert. Und am Neujahrstag gibt es eine weitere Anspielprobe, weil man zwar dasselbe Programm, aber in einem anderen Raum spielt. Eine Stunde vor Konzertbeginn muss die Bühne schon wieder geräumt werden, weil der Einlass beginnt.

(mkl)
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