Leverkusen: Firmen beklagen erhebliche Straßenmängel

Leverkusen : Firmen beklagen erhebliche Straßenmängel

Die marode und über Wochen hinweg gesperrte A1-Brücke bei Leverkusen ist sicher das krasseste Beispiel. 92 Tage war die Brücke Anfang des vergangenen Jahres für Lkw über 3,5 Tonnen Gesamtgewicht gesperrt. Der Güterverkehr musste während der dreimonatigen Blockade Umwege von im Schnitt 20 Kilometern pro Fahrt zurücklegen. Und jeden Tag waren davon rund 15 000 Lkw betroffen.

Einer Studie des Institute for Economic Research and Consulting zufolge hat allein diese Maßnahme volkswirtschaftliche Kosten in Höhe von 60 bis 80 Millionen Euro verursacht. Doch Leverkusen bleibt ein "Stauloch" - und es ist nicht das einzige. 64 Prozent der deutschen Wirtschaftsunternehmen sehen mittlerweile ihre Geschäftstätigkeit durch Mängel im Straßenverkehrsnetz beeinträchtigt.

Das ergab eine Befragung von 2800 Unternehmen durch das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Laut Berechnungen des Instituts müssen in den kommenden zehn Jahren rund 120 Milliarden Euro in die Infrastruktur investiert werden, um diesen Investitionsstau aufzulösen - je ein Drittel in Fernstraßen und Brücken.

Mehr als 700 Betriebe wurden in NRW befragt. 27 Prozent von ihnen gaben an, geringe Beeinträchtigungen durch den Straßenzustand hinnehmen zu müssen. Weitere 22 Prozent sprachen jedoch von deutlichen Beeinträchtigungen.

Nicht gefragt wurde bei der Erhebung der Chempark-Manager und -Betreiber Currenta. Dabei hätte das IW auch dort eine klare Aussage bekommen, wie ein Unternehmenssprecher jetzt erklärte: "Wir sind mit etwa 600 bis 700 Fahrten am Tag zweifellos der größte Nutzer der A1-Brücke", berichtete er auf Anfrage. Insofern träfen jede Sperrung oder Behinderung dort eben auch den Standort Leverkusen.

Chempark-Leiter Dr. Ernst Grigat fügt hinzu: "Wir können uns nicht leisten, nicht in Infrastruktur zu investieren!" Ein klares Signal aus Leverkusen in Richtung Bundesregierung.

Dort scheint man inzwischen offenbar genauer hinzuhören, als in der Vergangenheit: Sollte die gute Wirtschaftslage 2014 mehr Steuergeld in die Haushaltskasse spülen als geplant, wollen die Haushälter der Großen Koalition diese zusätzlichen Finanzmittel in die Verkehrsinfrastruktur investieren. "Der Kurs weist in die richtige Richtung", sagt Dr. Peter Fischer, Präsident des Verkehrsinfrastrukturverbandes Pro Mobilität. In den nächsten Jahren müsse der Bund die Erhaltungsinvestitionen in seine Fernstraßen auf über drei Milliarden Euro pro Jahr steigern. Dies gehe aus der "Erhaltungsbedarfsprognose 2025" hervor. Die Politik sollte vor entsprechenden Investitionsausgaben nicht zurückschrecken, raten auch die Kölner die IW-Forscher. Denn langfristig zahlten sie sich aus: Steckt die Politik zehn Milliarden sinnvoll in Straßen, Stromnetze und Co., erhöhe das laut Faustformel die Wirtschaftsleistung um 2,5 Milliarden Euro pro Jahr: "Also hat sich die Investition schon nach vier Jahren gelohnt."

(RP)