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Leverkusen: Feuerstein pilgert literarisch zu Beethoven

Leverkusen : Feuerstein pilgert literarisch zu Beethoven

Dauer-Kritiker und "Fürst der Düsternis", so nennt ihn jedenfalls seine Frau, Herbert Feuerstein steht beim KlassikSonntag für eine Lesung auf der Forum-Bühne. Fast eine Ehre, denn viele Anfragen lehnt der Nein-Sager ab.

Angebote bekomme er immer noch, aber inzwischen sei er ein großer Nein-Sager geworden. Nach Abschluss seiner fernseh-aktiven Zeit genieße er als 80-Jähriger den Blick in die Natur und die ausgedehnten Spaziergänge mit seinem Hund durch den ländlichen "Wilden Westen von Köln", wo er heute lebt. Insofern ist das Wiedersehen mit Herbert Feuerstein also eine Besonderheit. Am kommenden Klassiksonntag steht er noch einmal als Erzähler auf der Bühne im Forum-Konzert der Westdeutschen Sinfonia Leverkusen.

In einem Musik-Programm mit Wagner, Beethoven und Rossini liest er die wenig bekannte Novelle "Eine Pilgerfahrt zu Beethoven", in der Richard Wagner 1840 höchst amüsant seine eigene beschwerliche Wallfahrt zu seinem Idol beschrieb. Der skurrile und mit Boshaftigkeit untersetzte Bericht des noch jungen und seinerzeit unbekannten Wagner gefällt Feuerstein. Bitterkeit, Selbstanklagen und den bissigen Humor herauszuarbeiten, das liege ihm. Nicht umsonst nenne ihn seine Frau den "Fürst der Düsternis". Er sei eben nicht so der Optimist, sondern sehe die Sachen kritisch. Was er in diesen schwierigen Zeiten durchaus angemessen findet.

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Doch trägt er seine Kritik heute kaum noch in die Öffentlichkeit. Im Gegensatz zu seiner aktiven Zeit in diversen TV-Formaten. In Erinnerung geblieben ist er vielen als Partner und stichelnder Stichwortgeber von Harald Schmidt in der Satire- und Comedysendung "Schmidteinander". Diese Zusammenarbeit sei hilfreich gewesen, und er habe bei Schmidt viel gelernt für die spätere TV-Zeit. Sympathie habe man sich nicht gerade entgegengebracht, beschreibt Feuerstein die erste Begegnung, sondern eher Gegnerschaft. "Mein Lebenswerk", nein das klinge doch zu pathetisch, korrigiert er. "Mein Hauptwerk war die Satire-Zeitschrift MAD. Da haben wir einen großen Teil der Jugend aufgeklärt oder als schwer gestörte Leute hinterlassen." Als Chefredakteur prägte er maßgeblich den Stil der deutschen Ausgabe des US-Magazins, das in den 1970er Jahren Kult war und direkten Einfluss auf die Jugendsprache hatte.

Klassische Musik spielte in seinem Leben immer eine wichtige Rolle, auch nach seinem "nicht ganz gelungenen" Musikstudium in den Fächern Klavier, Cembalo und Komposition am Salzburger Mozarteum. Nach seinem Verriss einer Komposition von Bernhard Paumgartner, dem Präsidenten der Salzburger Festspiele wurde ihm nahegelegt, die Hochschule zu verlassen. Feuerstein wechselte zum Journalismus und kritisierte nun hauptberuflich. Manches tue ihm heute Leid, gesteht er. Kritik mache auch streng und nicht selten überheblich. "Da war die Pointe manchmal wichtiger als der Inhalt."

Nach vielen Fernsehauftritten folgte 1998 in Berlin sein Theaterdebüt, und ab 2003 spielte Feuerstein in 75 Vorstellungen an der Kölner Oper den Amtsdiener Frosch in der Operette "Die Fledermaus".

KlassikSonntag am 2. April: Konzert - 18 Uhr im Forum. Programm: "Siegfried-Idyll" von Richard Wagner, "Leonoren-Ouvertüre" und Romanze für Violine und Orchester Nr. 2 F-Dur op. 50 von Ludwig van Beethoven und Ouvertüre zur Oper "Die diebische Elster" von Gioacchino Rossini. Weitere Informationen unter www.kulturstadtlev.de.

(mkl)