Ferienlager: Verein weist Beschuldigungen von sich

Überschwemmtes Ferienlager : Verein weist Beschuldigungen von sich

Die Verantwortlichen der Ferienfreizeit an der Ardeche sprechen von hohem medialem Druck – gerade in Frankreich.

Rund einen Monat nachdem das Zeltlager der Jugendförderung Leverkusen am südfranzösischen Fluss Ardeche überschwemmt wurde, läuft die Aufarbeitung bei Polizei, Justiz, betroffenen Kindern, Eltern und Verantwortlichen. Letztere, in Person des Vereinsvorsitzenden Jörg Esser und dessen Stellvertreter Michael Prenzlow, wehrten sich am Donnerstag bei einer Pressekonferenz noch einmal gegen die Vorwürfe von französischer Seite.

Die betonte, die Deutschen hätten 48 Stunden vor der Katastrophe von der drohenden Gefahr gewusst. Zudem hätte der Verein den Campingplatz illegal errichtet. Die französische Gemeinde St.-Julien-de-Peyrolas in Südfrankreich hatte bereits 2017 gegen das Lager geklagt, nachdem dieses seit über zehn Jahren dort stand. Damals gewann der Verein aus Leverkusen in zweiter Instanz. Nun wird der Fall in Nimes nochmal neu aufgerollt.

Es handele sich nicht um einen illegalen Zeltplatz, betonte Prenzlow jetzt und verwies auf die nach eigenen Angaben wie in jedem Jahr erhaltene Genehmigung der Präfektur des Gard. „Überdies wird das Ferienlager regelmäßig durch unangemeldete Begehungen kontrolliert“, erläuterte der Vizevorsitzende. Eine solche sei zuletzt am 19. Juli 2017 durchgeführt worden und fiele in der Regel alle zwei Jahre an. In der Folge zitierte Prenzlow aus dem übersetzten Schreiben, das einen guten Eindruck des Lagers bescheinigt.

Um eben jene Genehmigung zu erhalten, tue der Verein viel. Jeder Mitarbeiter müsse sein Dossier und Qualifikationen offenlegen, die dann der Präfektur in Nimes vorgelegt würden. Erst dann erhielten der Platz und die Durchführung des Lagers eine Genehmigung.

2006 hatte der Verein das Gebiet käuflich erworben. Bis dato habe es keine Probleme mit der Gemeinde gegeben. Schließlich habe diese gewusst, dass ein Zeltlager für Kinder und Jugendliche in dem Gebiet geplant und durchgeführt werde – und die Betreiber darin auch unterstützt. So erhielt das Ferienlager eine neue Wasser- und Starkstromleitung. Letzteres bezahlte der Verein selbst und brachte dafür 45.000 Euro auf.

Zu den Installationen, die Sankt Antonius vornahm, gehörte auch ein Sicherheitssystem, das im nahegelegenen Regenwasserkanal angebracht worden sei. Es reagiere, sollte der Wasserstand 25 Zentimeter erreichen. Das akustische Signal sei nicht zu überhören, schilderten die Organisatoren.

Auch am Unglückstag sei dieses ertönt, betonen die Vereinsvorsitzenden. Nach regelmäßiger Überprüfung in Anwesenheit eines Mitarbeiters der Feuerwehr, habe man allerdings keine Auffälligkeiten feststellen können. „Das Wasser ist kontinuierlich abgelaufen“, beschrieb Vorsitzender Jörg Esser die Szenerie. Zu diesem Zeitpunkt hätten sich die Kinder bereits im verankerten und leicht erhöhten Essenszeit aufgehalten – so wie es der Sicherheitsplan vorsehe.

Die Welle, die schlussendlich das Lager verwüsten sollte, habe nicht vorhergesehen werden können. Sie sei rund zwei Meter hoch gewesen. Mit dem Flussbett, das gut drei Meter tief ist, macht das eine Flutwelle von bis zu fünf Metern. „Darin waren große Fische enthalten. Fische, die es in dieser Region gar nicht gibt“, betonte Rechtsbeistand Frank Schönberger. Das Wasser habe andernorts nicht gehalten werden können.

Bis nach den laufenden und zu erwartenden Verfahren wollen sich die Beschuldigten nun mit öffentlichen Aussagen zurückhalten. Die Furcht ist groß, dass Medien in Frankreich die Verfahren durch ihre Berichterstattung beeinflussen. Prenzlow erzählt: „Es wurde so viel Unwahrheit verbreitet, dass uns dabei schlecht geworden ist.“

Und Schönberger ergänzt, es gebe eingeleitete Strafverfahren sowie drei zivilrechtliche Anspruchssteller. In der Vergangenheit habe sich immer wieder gezeigt, dass Verfahren, „die eine gewisse Öffentlichkeit haben, durch die Berichterstattung beeinflusst“ würden. Richter, betonte Frank Schönberger, seien schließlich auch nur Menschen.

Doch trotz all der Vorkommnisse und bevorstehenden rechtlichen Auseinandersetzungen  möchten die beiden Verantwortlichen weitermachen. Eltern und Kinder hätten ihnen in der jüngsten Vergangenheit ihre Unterstützung zugesichert. Sogar so sehr, dass Jörg Esser, der zunächst erstmal nicht weitermachen wollte, schnell eingelenkt habe. Mit dem, was in diesem Sommer in Südfrankreich passiert sei, da sind sich Jörg Esser und Michael Prenzlow einig, wollen sie die seit Jahrzehnten bestehende  Lagerfreizeit  nicht enden lassen.

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