Feridun Zaimoglu liest in Leverkusen aus "Die Geschichte der Frau"

Autor Feridun Zaimoglu las in der Reihe Museum Litterale : Feridun Zaimoglu schreibt Frauengeschichte neu

Die Kritik nahm Feridun Zaimoglu gleich vorweg. Sowohl Kritiker als auch Buchhändler hätten seinen neuen Roman „Die Geschichte der Frau“ mit „einigem Argwohn zur Kenntnis genommen“, erzählte er auf der kleinen Bühne im Spiegelsaal von Schloss Morsbroich, bevor er den Buchdeckel überhaupt aufschlug.

Bei der Leipziger Buchmesse hätten ihn Kritiker ziemlich übel angegangen und fast „Hinrichtungen“ geschrieben, was ihn überrascht habe.

Zum zweiten Mal hatte Veranstalter Manfred Gottschalk Feridun Zaimoglu schon zu einer Lesung eingeladen. Nun eben mit einem durchaus umstrittenen Werk, das den Anspruch erhebt, die ausschließlich von Männern geschriebene Geschichte neu zu erzählen, und zwar aus der Sicht der Frau. Zu deren Sprecher und blumigen Wortverfechter macht sich der Kieler Autor nämlich.

Tatsächlich sind es zehn Frauen aus mehr als zwei Jahrtausenden, denen er jeweils ein Kapitel zuwies, sowohl fiktive als auch reale. Von der Antigone aus der Antike über die biblische Zippora und die Trümmerfrau Hildrun Tilmanns bis zur streitbaren Feministin Valerie Solanas reicht die Liste. Im Schloss schlug Feridun Zaimoglu den Teil über die Loreley auf, die Clemens von Brentano als kühle Männer mordende blonde Schönheit in die Literatur der Romantik eingehen ließ. „Die reinste romantische Männerfantasie“, findet Zaimoglu, der sich nun als Verteidigung eine weibliche Variante ersonnen hat, selbstverständlich genauso fiktiv wie die viel besungene Schöpfung, die am Rheinfelsen bei Bacharach die Schiffer in den Tod riss.

In der revidierten Geschichte schreibt sie sich Lore Lay und hat anderes zu tun, als sich unentwegt das goldene Haar zu kämmen, weil sie um 1799 als Küchenmagd in Bacharach arbeitet. Zaimoglu jedenfalls senkte die leicht heisere Stimme und begleitete die Geschichte, deren Ende er freilich aus Gründen der Spannung für sich behielt, zusätzlich mit Gesten. Passend zur blumigen Wortwahl und zum eigenen Vergnügen an Alliterationen, Stabreimen und neuen Wortschöpfungen.

In der nächsten Ausgabe von Museum Litterale am Mittwoch, 3. Juli, um 19.30 Uhr stellt Brigitte Glaser ihr neues Buch „Rheinblick“ im Spiegelsaal von Schloss Morsbroich vor. In ihrem Roman begiebt sie sich nach Bonn im November 1972 zur Zeit Willy Brandts. Eintritt (inklusive Imbiss) 18 Euro, an der Abendkasse 22 Euro. Vorverkauf bis 14 Tage vor Veranstaltung in der Buchhandlung Gottschalk, Telefon 0214 56481, www.buchhandlung-gottschalk.de

(mkl)
Mehr von RP ONLINE